Schröder erobert Münster: Atze präsentiert die Rechnung für den Ouzo
MÜNSTER Er ist Imperator und Gladiator der Massen, Proll-Panzer und der letzte Titan des Zoten-Kalauers: Kaum wurde Atze Schröder in seiner aktuellen Show „Schmerzfrei“ in der Halle Münsterland vom Heiligenschein des Spotlights erfasst, geriet das Publikum schier außer sich.
Atze hat die Sonnenbank verlassen, um sich in Münster feiern zu lassen. (Foto: Günter Moseler)
Unter Riesen-Kugeln
Riesige Kugeln schwebten wie futuristische Deckenlampen herab oder kullerten wie Rübezahl-Sitzbälle auf dem Boden. Dazwischen tobte das Leben von Atze zwischen Hartz IV, Sonnenbank und Krakeele: Die Wahrheit ist überall und muss nur ausgesprochen werden! Ihr wahrer Fürsprecher hieß Atze, der als rasender Reporter den Abend als Triumphzug durch die Comedy-Arena inszenierte.
Als nach drei Minuten die roten und blauen Kugeln auf Rosa umschalteten, war das Publikum schon „voll high“. Atze promenierte auf dem Spaß-Boulevard ins Schmieren-Theater der Politik. „Die FDP wäre froh, wenn sie soviel Prozente hätte wie ein Clausthaler“, ätzte er und kommentierte Berlusconis Rücktritt: „Der tritt nicht ab, der schwillt ab!“
Milliardenüberweisungen nach Griechenland erstaunten ihn: „Und wir haben 40 Jahre lang gedacht, der Ouzo nach dem Gyros wäre umsonst!“ Ex-Bundespräsident Wulff bescheinigte er: „Er hat das gewisse Nichts“, und stellte dann die ultimative Global-Diagnose: „Wo man hinguckt, die sind alle schmerzfrei!“
Kritiklose Jungfrauen?
Die Welt ist für Atze im Sinkflug begriffen, Peinlichkeits-Rekorde purzeln im Minutentakt und Fanatiker stürmen die Medien-Charts: „Der Islamist mit dem Bombengürtel kriegt im Paradies zur Belohnung 72 Jungfrauen, der kann wohl keine Kritik vertragen!“ Derart aufklärerische Kicks aus dem Hinterhalt liebt Atze, sie sind das Gegengift zum krachenden Klamauk.
Listig im Paradies
Daneben frönte er provokativ der Lust und den Trieben. Atze bewunderte fremde Temperamente: „Wären Adam und Eva Chinesen gewesen, hätten sie den Apfel weggeschmissen und die Schlange frittiert!“ Er geißelte die pompöse Arroganz der Show-Scheinwelten und giftete: „Wo Geld ist, kann auch Liebe sein!“
Schröder drang auch an diesem Abend aus dem kleinen Alltag bis ins Weltall wüster Wünsche vor und schickte damit sein Publikum auf die Insel der Seligen. Der Massen-Charismatiker als Großwesir des kleinen Mannes. Endloser Jubel.







