Konzert im Skaters Palace: Boy bringen Eisberge zum Schmelzen
MÜNSTER Wer ein Konzert von Boy besucht hat, wird nie wieder Energiesparlampen wollen. Wenn die beiden jungen Frauen ihre honigsüßen Lieder spielen und um sie herum die großen goldgelben Glühbirnen leuchten, dann hat das etwas Heimeliges, berührend Warmes. Ein Gefühl, das mit keiner noch so schwungvoll gewundenen Leuchtröhre der Welt erreicht werden kann.
Gleichung mit zwei Bekannten: Boy dividiert durch zwei gleich Valeska Schneider. (Foto: Johannes Wallat)
Ein großer Stoffballon im Bühnenhintergrund erinnert an eine überdimensionierte Wohnzimmerlampe, Discokugeln senden Lichtreflexe auf die Musiker und in den dunklen Himmel der Halle, die großen Glühbirnen, die an langen Stielen im Wechsel leuchten, tauchen die Bühne mit glühenden Drähten in ein nostalgisch wirkendes Licht.
Die Musik des Frauenduos, das sich live von einer hochkarätigen vierköpfigen Band unterstützen lässt, passt wie angegossen dazu: Die warme, sanfte Stimme von Sängerin Valeska Steiner, ihr charmantes Lächeln und ihr hinreißender Augenaufschlag bringen Eisberge zum Schmelzen. Die Band, angeführt von der zweiten Boy-Frau Sonja Glass am Bass, unterlegt Steiners Stimme mit einem wohlig weichen Soundteppich.
Ein wenig schüchtern
So wie die Musik ist auch die Frontfrau. Zwischen den Stücken spricht sie mit den Zuschauern und wirkt doch ein wenig schüchtern. Und als sie nach dem Befinden der Fans fragt, tritt sie gleich ins Fettnäpfchen: „Letztes Mal sind wir am Coconut Beach gewesen, da haben wir den Fluss gesehen.“ Gespielte Empörungsrufe. Steiner korrigiert sich: „Äh, ich meine natürlich den Kanal!“
Boy ist ein Duo, das vor Sympathie nur so überschäumt und auf das sich alle einigen können – vom Szene-Typen mit heimlicher Pop-Sehnsucht bis hin zum Angestellten aus der Ü40-Fraktion. Und wenn Boy nach einer kurzen Show und einer Zugabe keine Lieder mehr auf Lager hat, dann spielen sie eben einen Song noch mal, akustisch, im heimeligen Licht der Glühbirnen.







