Ausstellung bei Nolte: Galina Zmanovskaya feiert die Frauen
MÜNSTER Botticelli hat Deutschland wieder verlassen, die spektakuläre Ausstellung des Renaissance-Malers in Frankfurt ist vorbei. Doch etwas vom Glanz seiner schaumgeborenen Göttinnen und Madonnen weht jetzt durch Münsters Galerie Nolte.
Schach im Palast des Königs Salomo: Galina Zmanovskaya stellt die biblische Szene mit Botticelli-Anklängen dar. (Foto: Manuel Jennen)
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Bei Zmanovskaya, die heute 55-jährig in der Nähe von Maastricht lebt, verschmelzen unterschiedliche Stile zu einer überzeugenden Einheit. Sie ist in Russland einer anerkannte Ikonen- und Freskenmalerin. Die golden schimmernden, keuschen Madonnengesichter ihrer Frauen erinnern daran.
Modeschöpferin
Doch Zmanovskaya ist auch im Weltlichen zu Hause: Sie war Modedesignerin für Dior, und die exquisit strahlenden, geschmackvoll abgestimmten Farben der Bilder mögen damit zusammenhängen.
Schließlich hat die Absolventin der Petersburger Kunstakademie aber auch einen Bezug zur Moderne: Sie löst die Hintergründe der Gemälde in kubistische Quadrate, Rhomben und Streifen auf. Die edlen Frauengesichter blicken aus einem abstrakten Muster, aus dem sich oft erst auf den zweiten Blick Gegenstände und Architekturen (etwa der Turmbau zu Babel) herausschälen. Einige Bilder sehen aus, als hätte Georges Braque ein Renaissance-Gemälde übermalt.
Salomos Schachspiel
Das schönste Werk der Schau erinnert aber tatsächlich eher an Botticelli. Es zeigt laut Kuratorin Marina Savchenko den weisen König Salomo und die Königin von Saba beim Schachspiel. Die beiden schüchtern-androgynen Gestalten mit den expressiven Gesten über dem riesengroßen Schachbrett, das dramatisch auf einen Fluchtpunkt zuläuft, ähneln – vermutlich ganz unbewusst – Botticellis
„Verkündigung Mariens“ von 1490.
Rausch in Gold
Allerdings ist die Königin keine arglose Jungfrau, sondern eine gewitzte Spielerin, die die Schachfiguren über das Feld fliegen lässt. Die räumliche Wirkung der großformatigen Palastszene ist mitreißend, die Farbwahl ein Rausch in Gold und Kupfer.
Im letzten Bild mit dem Titel „Die Liebe überwindet den Turm von Babylon“ bringt ein mächtiger Frauenengel mit sanftem Druck seiner Stirn den Turm ins Wanken. Das Ewig-Weibliche siegt mit Köpfchen über den Wahn der Männlichkeit.
- Galerie Nolte, Spiekerhof 44, bis 27. März, Mo bis Fr 10.30 - 18 Uhr, Sa 11 - 18 Uhr.








