Kabarett in Münster: Hagen Rether ätzte und tobte
MÜNSTER Intelligentes Kabarett gibt es noch: Hagen Rether war im Congress-Saal der Halle Münsterland.
Der Kabarettist Hagen Rether. (Foto: dpa)
Was reg ich mich auf
Ein Flügel, ein Stuhl, ein Glas Wasser. Den Flügel rührt Rether kaum an, der Stuhl scheint ihm unbequem, am Wasser nippt er kaum. Der Mann ist Minimalist. Und sein chronisches „Was reg’ ich mich auf“ scheint wie die Resignation über absurde Welt-Verhältnisse. „Jemand aus dem Vatikan da?“ ruft Rether in den Saal und ätzt: „Ratzinger hat gesagt, er hätte gar keinen Bruder.“ Die Vatikan-Archive müssten wegen Heuchelei geschlossen werden, schimpft Rether, ereifert sich über selbstgerechte Hyperpazifisten und naive Idolverehrung – der Dalai Lama sei ein Peter Lustig für enttäuschte Christen.
Alles und jeder kommen an diesem Samstagabend unter die Rether-Räder: „Medienfuzzis“ und Regierungslakaien, die westliche Demokratie („Man darf sich aussuchen, wer einen verarscht“) und Westerwelle, Feindbilder und feige Großmäuler. Rether tobt über die unsägliche Trauerrede für den Marinerichter Hans Filbinger durch Günther Oettinger, die „Klientelpolitik“ der FDP („Früher hieß das Korruption!“) oder das Ministermonopoly der CDU/FDP-Regierung. Er erinnert an die Schmierenkampagnen der US-Republikaner wegen Bill Clintons Monica Lewinsky-Affäre, während dieselben Moralapostel einen Irak-Krieg anzettelten, aber auch an Oskar Lafontaines politische Integrität.
Gift und Galle
Überall entfesselt Hagen Rether Fassungslosigkeit. Hier sieht einer die Grundfeste der Vernunft erschüttert und wütet mit Gift und Galle. Er enttarnt mit ernüchterndem Beweismaterial. Ein dunkler Auftritt heller Empörung. Und im Applaus des Publikums schwingt noch die Verblüffung mit, an den einfachsten Wahrheiten schlicht vorbeigedacht zu haben. K Günter Moseler








