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Medienhaus Lensing
21.02.2012 19:01 Uhr
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Pater Purks neues Buch: Mit Vertrauen in die Fastenzeit

MÜNSTER Ein kleiner Junge steht auf der Mauer und zittert. „Komm“, sagt der Vater, „spring in meine Arme! Ich fange dich auf.“ Das Kind traut sich, und der Vater lässt es fallen. „Siehst du“, sagt er, „das solltest du lernen. Traue keinem Menschen, nicht mal deinem Vater.“Von Manuel Jennen

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Pater Erich Purk hat seinen elften Fastenbegleiter geschrieben. (Foto: Manuel Jennen)

Die Geschichte ist eine antike Erzählung der Chassidim, einer frommen jüdischen Gruppierung. Kapuzinerpater Erich Purk erzählt sie in seinem neuen Buch für die Fastenzeit: „Vertrauen“. Und auch, wenn in der Moral der Geschichte wohl etwas Wahres steckt, ist sie bei Purk nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn der münstersche Seelsorger möchte für Vertrauen werben.

Den Mitarbeitern trauen

Und das nicht nur in der Familie, sondern auch am Arbeitsplatz. Pater Erich hat Soziologen wie Niklas Luhmann studiert und bestätigt gefunden, dass Kontrolle gut, Vertrauen aber besser ist. Ein Chef, der seine Mitarbeiter nicht ständig prüft, erzielt höhere Ergebnisse und hat weniger Stress. „Wer vertraut, ist einflussreicher“, sagt Purk.

Und Gott? Kann man Gott vertrauen? Zumindest versucht es niemand mehr. Die Menschen nehmen ihr Schicksal überall selbst in die Hand, sie verändern die Gene, das Klima, die Kommunikation. „Wir können keinen Augenblick Lerche oder Lilie sein“, schreibt Pater Erich mit Blick auf den Text der Bergpredigt, „das kann nur einer, der naiv glaubt, dass jemand mit Segen und Gnade unseren Weg durch die Geschichte leitet ... Wenn wir nicht nur unseren eigenen Fähigkeiten vertrauen, sondern Gott etwas zutrauen, dann werden wir frei vom gnadenlosen Leistungsdruck.“

Genug Selbstvertrauen?

Sehr schöne, entspannende Worte. Aber man könnte durchaus einwenden, dass das Problem der heutigen jungen Generation keineswegs ein übersteigertes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist, sondern oft eine allgemeine Schlappheit und Verantwortungslosigkeit. Die „Lilien“ von heute welken vor dem Internet und lassen sich alles gefallen. Und die Hoffnung auf einen Weltenlenker mit Segen und Gnade wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts so furchtbar enttäuscht, dass die Theologie zu verschwinden drohte.

Solche Einwände schmälern aber nicht die Faszination des Buches, denn die Kapitel zu jedem Tag der Fastenzeit zielen ja nicht auf frommes Abnicken, sondern auf Meditation und Auseinandersetzung. Mit Pater Erich Purk zu diskutieren, ist eine große Bereicherung, weswegen seine Internetexerzitien für die Fastenzeit leider bereits ausgebucht sind – ebenso wie die Angebote sämtlicher anderer E-Mail-Begleiter auf der Seite „katholisch.de“. Ein Besuch der Seite lohnt aber dennoch Tag für Tag, um den von Schauspieler Michael Mendl eingesprochenen Texten aus dem Buch zu lauschen.

Pater Purk macht Mut, von der Mauer zu springen und auf den Vater zu vertrauen. Selbst, wenn man ihn nicht gleich spürt. „Viele Kerzen habe ich schon vor Gnadenbildern entzündet“, sagt er. „Ich kann von keinen Wundern berichten. Aber getröstet und gestärkt bin ich heimgekommen!“

  • Erich Purk: Vertrauen – Der spirituelle Fastenbegleiter. Katholisches Bibelwerk, 125 Seiten, 12,90 Euro. Zum selben Preis gibt es auch eine Postkarten-Edition mit meditativen Fotos und Sinnsprüchen.
  • Mutter und Tochter in der Kapuzinerkirche: Die beiden Fernsehschauspielerinnen Diana und Lara Joy Körner stellen am Sonntag (26. Februar, 17 Uhr) das neue Fastenbuch in einer Lesung vor. Dazu singen Ines Krome und Stefan Adam, früher Ensemble-Mitglieder des Stadttheaters.


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