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Medienhaus Lensing
30.01.2012 19:14 Uhr
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Ausstellung Friedrich Peschlack: Münsters Idylle vor dem Aus

MÜNSTER Machmal gibt erst der Lauf der Geschichte Kunstwerken eine besondere Bedeutung. Bei den Bildern von Friedrich Peschlack (1912 - 2005) ist das gewiss so. Zu sehen sind sie beim Stadtheimatbund in der Torhausgalerie.Von Manuel Jennen

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Münster aus der Hinterhofperspektive 1930: voyeuristischer Blick auf die gute alte Zeit. (Foto: Manuel Jennen)

Zugegeben: Peschlacks Rötelzeichnungen und Aquarelle von Münster sind hübsch und gefällig, sie würden schöne Motive auf Postkarten abgeben, aber ihre kunstgeschichtliche Bedeutung rangiert unter ferner liefen.

Spannend ist die Ausstellung, weil Kuratorin Ruth Betz mit ihrer Werkauswahl einen heiklen Moment festhält: die Zeit um 1930, die letzten Jahre der Weimarer Republik, in denen auch das idyllische Münster kurz davor stand, seine Unschuld zu verlieren.

Letzter Blick auf die Synagoge

Was mag der 20-jährige Schüler Peschlack gedacht haben, als er 1932 vor der alten Synagoge stand? Seine Zeichnung lässt erkennen, dass der vieltürmige Bau von 1880 einer der schönsten und repräsentativsten der Stadt war. Sechs Jahre später war er verschwunden. Während des Pogroms 1938 wurde die Synagoge angezündet, die jüdische Gemeinde musste selbst die Trümmer entfernen und das Grundstück weit unter Wert verkaufen.

Der Schrecken dieser Jahre spiegelt sich in der Ausstellung nicht, Friedrich Peschlack bekam die Barbarei der braunen Machthaber aber sofort zu spüren: Sein auserwählter Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie, Heinrich Campendonck, wurde entlassen und kam auf die Liste „entarteter“ Künstler. Peschlack wurde Postbeamter. Hoffnungsvolle Anklänge an Expressionismus und Bauhaus-Sachlichkeit (beeindruckend die Tuschezeichnung einer Teekanne) finden sich auf den späteren Werken der Schau nicht mehr.

Untergegangene Sehenswürdigkeiten

Auch andere Rötelzeichnungen zeigen etwas von der untergegangenen Schönheit Münsters, die nicht nur dem Krieg, sondern auch dem Desinteresse und der Verkehrsplanung der Nachkriegszeit zum Opfer fiel: die 1970 abgerissene Boniburg, einst ein vornehmes Café bei Handorf, die Antoniuskirche mit prächtigen, aber nicht wieder aufgebauten neobarocken Turmhelmen oder das Mauritztor mit zwei statt nur einem Torhäuschen.

Aus dem Rahmen fallen zwei in naivem Stil gemalte Aquarelle von 1930, die das winterliche Münster aus einer Hinterhofperspektive zeigen. Wahrzeichen wie die Lamberti- oder Dominikanerkirche lugen hinter schmucklosem Fachwerk und rauchenden Schornsteinen hervor. Sie sind so bunt wie Kinderbuchillustrationen von heute. Hier fühlt man sich tatsächlich wie eine Voyeur, der Jahrzehnte zurückgesprungen ist, um die letzten Stunden der guten alten Zeit zu betrachten.

Bis 26. Februar , Torhaus-Galerie, Neutor 2, Mo bis Fr 10 - 16, So 15 - 17 Uhr.


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