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Medienhaus Lensing
15.03.2010 19:41 Uhr
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Gastspiel aus Enschede: So schlicht, so schwer - Mozarts Spätwerk

MÜNSTER Es ist ungewöhnlich, wenn ein junger Mann alte Musik komponiert. Bei Mozart war es so. In seinem Todesjahr 1791 schrieb der erst 35-Jährige sein letztes Klavierkonzert in B-Dur: ein Werk, das auf alles Lametta äußerlichen Virtuosentums verzichtet und fast nur noch verinnerlicht und abgeklärt-heiter wirkt. Im münsterschen Gastkonzert des Orkest van het Oosten aus Enschede unter seinem Dirigenten Jan Willem de Vriend erwies sich dieses Stück im Stadttheater als die schwierigste Aufgabe.Von Günter Moseler

Schon mit der transparent und trocken vorüber zischenden „Zauberflöten“-Ouvertüre war die Strategie des Abends klar: De Vriend folgte ganz der historischen Aufführungspraxis. Nirgends spendierte ein Vibrato der Streicher süffigen Belcantoschmelz, nirgends spiegelten liebliche Bläser den Glanz der titelgebenden Zauberflöte. Stattdessen dramatische Zuspitzung und lapidare Paukenakzente, die Mozarts Märchenoper rasch entzauberten.

Lupenreine Läufe

Pianist Kristian Bezuidenhout trieb die historische Authentizität weiter und nahm für das Klavierkonzert an einem mahagonibraunen Fortepiano statt an einem modernen Flügel Platz. Der Niederländer spielte nicht nur seinen Solopart, sondern begleitete auch die Orchester-Tutti. Dem Instrument selber entlockte er schwerelose Töne, fragile Akkorde und lupenreine Läufe.

Trotzdem geriet ihm Mozarts mildes Spätwerk dann doch zu milde: Licht und Schatten der thematischen Entwicklung, überraschende harmonische Kontraste wurden Beute übertriebener Zartheit. So zerrann ihm der kompositorische Scharfsinn buchstäblich zwischen den Fingern. Dennoch: Nach so viel schöner Musik erklatschte sich das Publikum eine Mozart-Zugabe und lauschte andächtig dem Andante cantabile aus der Klaviersonate C-Dur KV 330.

Jupiter marschiert

Den Abschluss dieses Konzerts der letzten Spätwerke setzte Mozarts Jupiter-Sinfonie, ein Werk voll imperialer Wucht. Dirigent de Vriend verwandelte den ersten Satz fast in einen Marsch. In den folgenden Sätzen, insbesondere im Finale, fand er zu einem dramatischen Ausdruck, der jeden Übergang ins Moll zur Tragödie umdeutete und das präzise Orchester zu Dauer-Rasanz antrieb. Alte Musik ganz jung. Herzlicher Beifall.


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