„Die Geschichte von den Pandabären“: Sonnenaufgang der Liebe
MÜNSTER Zwei Arme, in die Höhe gereckt wie Schwanenhälse, die sich aneinander schmiegen: Mehr sieht man nicht, wenn der Saxofonist und seine unbekannte Schöne nach feuriger Liebesnacht aufwachen. So beginnt das Stück „Die Geschichte von den Pandabären“ des rumänischen Autors Matéï Visniec, das am Samstag im Kleinen Bühnenboden seine Premiere feierte.
Wie die Pandabären: Toto Hölters und Alice Mortsch. (Foto: Günter Moseler)
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Es ist eine Nacht wie Millionen andere und der One-Night-Stand zwischen ihm und ihr keine Sensation. Er kann sich jedoch an gar nichts erinnern. „Wo haben wir uns kennen gelernt?“, fragt er irritiert. Sie weiß anscheinend mehr und bekennt: „Dein Saxofonspiel hat mich verführt.“
Neun Abende
Die Anonymität des Paares, das sich zufällig getroffen hat, bleibt auch dann gewahrt, wenn sie ihre Zuneigung entdecken. Alice Mortsch und Toto Hölters spielen das brillant zwischen Backfischeuphorie und geheimnisvoller Innigkeit. Bald sieht man ihre Köpfe knapp über der Sofakante auftauchen – wie von zwei Schwimmern, die Kurs auf das Ufer einer neuen Beziehung nehmen. Sie bietet ihm an, sie kennen zulernen, mit ihr ein Liebes-Thema in neun Variationen zu spielen: „Ich komme neunmal wieder und du spielst Saxofon für mich. Nicht mehr!“
Die minimalistische Szenerie, der knappe Text und zwei Schauspieler genügen, das Spiel existentieller Intimität in eine sanfte Tragikomödie zu verwandeln (Regie: Konrad Haller). Das Sperrmüll-Sofa wird zur Robinson-Insel radikaler Zweisamkeit. Mal stehen sie drauf und die Matratzen-Federn krächzen wie ein alter Dielenfußboden, mal sitzen sie dort wie in einem kleinen Ruderboot. Die beiden nähern sich sogar einander an. Der Anrufbeantworter souffliert vage Liebesversprechen, in einer „spiritistischen Variation“ muss sie allein mit seiner Stimme aus dem geisterhaften Off Zwiesprache halten.
Bei den Pandabären
Beinahe unmerklich kippt die Beziehung ins Surrealistische. Man wird Zeuge des Sonnenaufgangs einer Liebe ohne Worte, in die beide hineinschwimmen, tanzen und rudern, um Freiheit zu finden. Ein Schwanengesang darüber, wie schön die Liebe ist. Auch wenn sie so selten ist wie unter Pandabären.
Weitere Termine: 10. und 11. Februar, jeweils 20.30 Uhr.
www.derkleinebuehnenboden.de







