Mueller-Stahls Bilder: Wie bei Leonardo da Vinci
RHEDE Das Bildnis des bärtigen Mannes mit tiefliegenden, umschatteten Augen, wirrem, langem Haar und fest geschlossenem Mund hat etwas sehr Eindringliches. Es kommt einem bekannt vor und zugleich auch wieder nicht. Erst der Bildtitel gibt Klarheit: Albrecht Dürer steht in geschwungener Schrift darunter, zusammen mit der Signatur Armin Mueller-Stahls.
Mueller-Stahl zitiert geschickt die Kunstgeschichte, bewahrt sich dabei aber seine individuelle Handschrift. Ein Kennzeichen seiner Kunst ist es, Emotionen und Gemütszustände der Dargestellten festzuhalten. Ihm gelingen packende Momentaufnahmen.
Schockierte Apostel
Die Farblithografie „Gespräche bei Tisch – die zwölf Apostel beim Abendmahl“ ist ein hervorragendes Beispiel. Wie in Leonardo da Vincis Wandgemälde „Das letzte Abendmahl“ zeigt Mueller-Stahl Jesus Christus mit seinen Aposteln unmittelbar, nachdem er erzählt hat, dass einer unter ihnen sein Verräter sein wird. Die Gesichter der Jünger sind voller Emotionalität und Ausdruckskraft, obwohl Mueller-Stahl sie allesamt nur in schnellen Umrisslinien skizzierte. Ihre Gefühlsregungen sind spür- und sichtbar. Anders als im Original ist nur der Bildhintergrund farbig, in knalligem Gelb, Grün und Rot.
Malen im Drehbuch
Eine Vorliebe von Mueller-Stahl ist auch das Skizzieren von Gedanken und Eindrücken in seinen Drehpausen. In Rheda sind von ihm bemalte Drehbuchseiten der Filme „Die Buddenbrooks“ und „Utz“ zu bewundern. Eine besonders eindrucksvolle Erinnerung hält das Multitalent Mueller-Stahl im Großformat „Illuminati“ fest. Wie in der gleichnamigen Verfilmung, in der er an der Seite von Tom Hanks einen Kardinal spielt, befinden sich hier geheimnisvolle, nur schemenhaft zu erkennende Figuren in einem dunklen Gang. Nur ab und zu wird die Dunkelheit durch gleißenden Lichteinfall unterbrochen.
Hier stellt nicht nur einfach ein Schauspieler aus, der nebenbei auch malt, sondern ein Künstler, der die Linienführung ebenso gut beherrscht wie das Charakterfach. Ein Multitalent.
Medizin- und Apothekenmuseum, Markt 14, Rhede. Bis 11. März, Di bis So 14-18 Uhr. Neben den Exponaten in Rhede befindet sich zudem noch eine Bilderauswahl im Kunsthandel Koenen Art Network, Karolinenstraße 32, in Bocholt.







