Interview: Yasmina Rezas "Kunst" am Borchert
MÜNSTER Die Kinobegeisterung für Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ ist kaum abgeflaut, das zeigt das Borchert-Theater ein weiteres, älteres Erfolgsstück der Autorin: „Kunst“. Die Premiere ist morgen. Drei Freunde geraten in einen nervenzerfetzenden Disput, weil einer von ihnen ein modernes „weißes Bild mit weißen Streifen“ gekauft hat. Ein Gespräch mit Regisseurin Tanja Weidner.
ie drei Freunde (v.l.: Bernd Reheuser, Henning Kober und Meinhard Zanger) kommen beim Thema Kunst nicht auf einen Nenner. (Foto: WBT)
Naja, die Welt, die Yasmina Reza angreift, ist die Welt, die sie gut kennt. Sie wuchs in Paris in einer bürgerlichen Familie auf, der Vater Ingenieur, die Mutter Geigerin. Sie schafft es, starke Gefühle schwelen und ausbrechen zu lassen, die die gute Erziehung über den Haufen werfen.
Nutzt Reza das „weiße Bild mit weißen Streifen“ zu einer Abrechnung mit moderner Kunst?
Ihr wurde da manchmal eine reaktionäre Haltung vorgeworfen, aber das stimmt gar nicht! Das Bild ist nur ein Symbol für die Emanzipierung in einer alten Freundschaft. Serge hat für 200 000 Franc das weiße Bild gekauft – weil er die Freundschaft zwischen den drei Männern verändern möchte. Marc, der das Bild kritisiert, hat bisher immer die Meinung vorgegeben. Im Laufe der Diskussion muss er feststellen, dass er seine Freunde als seinen Besitz gesehen hat und dass das keine Grundlage für eine Beziehung ist. Kunsthistorisch wird abstrakte Malerei hier keineswegs abgewertet, auch wenn das manchmal so inszeniert wird.
Warum muss dann ausgerechnet ein Bild auftauchen?
Yasmina Reza macht sich darüber lustig, wie arrogant und wichtigtuerisch Menschen oft auftreten, die über Kunst reden, um in höhere gesellschaftliche Sphären aufzusteigen. Die Haltung der Anderen wird abgewertet, die verschiedenen Kreise sollen sich möglichst nicht vermischen. Wir kennen das beim Theater auch.
Apropos Theater: Sie inszenieren in „Kunst“ auch Ihren Chef als Schauspieler, den Borchert-Intendanten Meinhard Zanger. Hat er Ihnen reingeredet?
Natürlich war es erst seltsam, dass da mein Chef auf der Bühne steht, aber dann war es überhaupt kein Problem – wir sind alle professionell genug. Im Gegenteil, das Ensemble ist einfach perfekt. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, dass jemals andere Menschen die drei Männerrollen gespielt haben als Henning Kober, Bernd Reheuser und Meinhard Zanger. Die haben so viel Lust an der Komödie! Das Stück heißt „Kunst“, weil es eigentlich um Lebenskunst geht: Freunde sollen sich selbst treu bleiben.
Nächste Vorstellungen am 23., 25., 26. (18 Uhr), 28. und 29. Februar um 20 Uhr im Borchert-Theater. Karten unter Telefon (02 51) 4 00 19.







