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Medienhaus Lensing
04.10.2011 16:17 Uhr
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Expertenanhörung im Landtag: Lobende Worte für Sekundarschulen

Düsseldorf So viel Einigkeit gibt es selten in einer Expertenanhörung des Landtags. Doch der Schulkonsens zwischen rot-grüner Regierung und CDU-Opposition macht es möglich: Viel Lob von vielen Seiten. Schüler, katholische Lehrerinnen und Realschulen stimmen aber nicht mit ein.dpa

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Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD, r) und Schulministerin Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen): Viel Lob für ihr Modell der Sekundarschule. (Victoria Bonn-Meuser (dpa))

Die geplanten Sekundarschulen in Nordrhein-Westfalen haben bei einer Expertenanhörung im Landtag überwiegend Zustimmung gefunden. Eine große Mehrheit der Bildungsverbände und Gewerkschaften sowie Kommunal- und Kirchenvertreter äußerten sich am Dienstag positiv zum gemeinsamen Gesetzentwurf von SPD, CDU und Grünen.

Massive Kritik kam von einigen direkt Betroffenen der Schulreform. In der Sekundarschule sollen künftig alle Kinder mindestens in den Klassen 5 und 6 gemeinsam unterrichtet werden. Danach kann wieder differenziert werden.

Kritische Anmerkungen von Schülern und Lehrern

Der Landesschülervertretung reicht das nicht: Sie forderte, das mehrgliedrige Schulsystem abzuschaffen und nur eine Schule für alle einzuführen. Das Aussieben der Schüler nach der Grundschule müsse beendet werden, sagte Vorstandssprecherin Hannah Gnech. Die Schülervereinigung will außerdem die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren und gemeinsames Lernen mit Behinderten.

Die Elternverbände äußerten sich sehr unterschiedlich - je nachdem, welche Klientel sie vertreten. „Bei der Landeselternschaft Realschulen kocht es“, sagte ihr Vorsitzender Johannes Papst. „Wir fühlen uns verraten und verkauft.“ Auch die Vorsitzende des vor allem Realschullehrer organisierenden Verbandes „Lehrer NRW“, Brigitte Balbach, sagte: „Viele Realschulen sehen sich vor dem Aus.“

Kritisch äußerte sie sich vor allem zu einem neuen Schulversuch, der es erlauben würde, Grundschulen mit weiterführenden Schulen zusammenzulegen. Im Gesetzentwurf ist vorgesehen, dass das Ministerium ab dem Schuljahr 2013/2014 bis zu 15 Schulen für einen Zeitraum von zehn Jahren solche Zusammenschlüsse gestatten darf. „Das zeigt: Die Landesregierung hat das Ziel einer Einheitsschule nicht aufgegeben“, sagte Balbach.

Kritik katholischer Lehrerinnen

Dagegen sprach der Vorsitzende der Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen, Rainer Dahlhaus, von einem „hochspannenden Versuch, der soweit wie möglich ausgeweitet werden sollte“.

Als „Hardliner“ gegen die geplante parteiübergreifende Schulreform positionierten sich die katholischen Lehrerinnen. Unter den rund 40 überwiegend zustimmenden Stellungnahmen stach ihre heraus. „Wir bedauern, dass das bewährte Schulsystem ohne Not völlig umgekrempelt werden soll“, kritisierte ihr Verein. „Versuche im Schul- und Bildungsbereich sind immer Experimente mit Kindern.“ Dabei sei ein Vorteil integrativer Schulsysteme nicht erwiesen.

Das unterstrich auch der Elternverein NRW: „Eltern müssen wissen, dass sie das gemeinsame Lernen zur Zeit noch mit Einbußen bei den Lernerfolgen für eventuelle Realschüler und Gymnasiasten erkaufen.“ Die Mehrheit aller Verbände und Interessenvertreter lobte hingegen den Konsens der Parteien nach jahrzehntelangem Schulstreit, flexible Antworten auf sinkende Geburtenraten und die beabsichtigten kleineren Klassen. Die kommunalen Spitzenverbände begrüßten, dass die drei Parteien die Schulstruktur in NRW bis 2023 nicht mehr verändern wollen. Dies bringe Planungssicherheit.

Sinkende Akzeptanz der Hauptschulen

In einer weiteren Anhörung äußerten sich Juristen zu dem Vorhaben, die Hauptschul-Garantie aus der Verfassung zu streichen. Alle Experten waren sich einig, dass dies angesichts der sinkenden Akzeptanz für diese Schulform sinnvoll sei.

Künftig soll das Land laut Änderungsentwurf gegliederte und integrierte Schulformen „in allen Landesteilen“ gewährleisten. Einige Rechtsexperten rieten zu einer anderen Formulierung, falls nicht tatsächlich überall jede Schulform garantiert werden soll.

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