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Medienhaus Lensing
21.01.2010 14:20 Uhr
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Protest gegen Castoren : "Ahaus hat keine Lobby"

AHAUS Für die Atomgegner in Ahaus ist die Sache einfach zu erklären: Das renommierte Forschungszentrum (FZ) Jülich will seinen Atommüll los werden und „Ahaus ist die bequeme Lösung.“ So sagt es Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen. dpa

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"Stoppt Castor": In Ahaus ist der Widerstand gegen das Zwischenlager. (Foto: dpa)

„Hinter dem Forschungszentrum stehen Bund und Land. Ahaus hat keine Lobby.“ 152 Castoren mit Müll aus dem stillgelegten Atomversuchsreaktor Jülich sollen in den nächsten Jahren ins Zwischenlager Ahaus gebracht werden.




Das Antragsverfahren läuft, einen Zeitplan gibt es noch nicht. Die Castoren mit dem hochgefährlichen Material müssen bis zum 30. Juni 2013 aus Jülich verschwunden sein. Dann läuft die Genehmigung für das Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums aus. Das Lager sei zwar sicher, aber das Ende wegen der überholten Technik absehbar, sagt der Sprecher des Zentrums, Peter Schäfer.

Wurzeln in der Nuklearforschung

Die Wurzeln des Forschungszentrums liegen in der Nuklearforschung. In der nuklearen Euphorie der 50er Jahre gegründet, hieß es damals Kernforschungsanlage. In den 80er Jahren kam dann die Entscheidung von Bund und Land, sich aus der Entwicklung von Hochtemperaturreaktoren zurückzuziehen. 1990 folgte das äußere Signal mit dem neuen Namen „Forschungszentrum“. Mittlerweile zählt es zu den größten Forschungseinrichtungen Europas und hat in der Spitzenforschung einen Namen.

Die Altlasten aus dem stillgelegten Atomversuchsreaktor hat man bisher eher diskret behandelt. Doch seit einigen Tagen gibt es eine neue Politik der Offenheit, „auch wenn das nicht unser Lieblingsthema ist“, bekennt Schäfer. Sogar der Stadtrat hat sich vor ein paar Tagen das Zwischenlager angesehen. Ein neues Zwischenlager in Jülich würde 40 Millionen Euro kosten. „Wir fanden es klüger, wenn es in einem Bundesland nur ein Lager gibt“, sagt Schäfer. Das sei ökonomischer und sicherer.

Argument sei nur vorgeschoben

„Es geht denen nur darum, das Zeug loszuwerden“, meint dagegen der Grünen-Bundestagsabgeordnete aus der Region, Oliver Krischer. Der Atommüll passe nicht mehr ins Image. „Der Müll ist für das Forschungszentrum nur noch peinlich und belastend.“ Das Argument der überholten Technik ist für ihn vorgeschoben. Das Zwischenlager Ahaus sei immerhin ein Jahr älter.

Selbst wenn die Castor-Transporte irgendwann rollen - auf Schiene oder Straße - wird Jülich seine Altlasten noch immer nicht ganz los sein. Der Bund baut den 1988 stillgelegten Versuchsreaktor auf dem Gelände des Forschungszentrums ab - seit Jahren, öffentlich, doch unbemerkt, in aller Ruhe. So war der Eigentümer nicht erfreut, dass jetzt durch die Publizität rund um die Castor-Transporte die Altlasten aus einem früheren Störfall in die Schlagzeilen gerieten.

Menschen und Umwelt  "nicht gefährdet"

Durch den Störfall im Jahr 1978 sind Boden und Grundwasser unter dem Reaktor radioaktiv verseucht. Der Eigentümer AVR GmbH blockt wie in alten Zeiten: „Wir sagen nichts zu dem, was damals passiert ist“, lautet der Kommentar des Unternehmenssprechers Wilfried Hubrich. Die Werte seien aber so gering, dass sie kaum messbar seien. Die Bundesregierung kommt nach Gutachten zu dem Schluss, dass beim Abbau Menschen und Umwelt durch die Strahlung nicht gefährdet seien.

„Das ist ein Widerspruch“, meint der Abgeordnete Krischer. Die Situation ist immerhin so gefährlich, dass man eine hochschwierige Aktion macht.“ Der stark strahlende Reaktorbehälter kann vorerst nicht zerlegt werden. Deshalb wird er mit Spezialbeton verfüllt und dann als über 2000 Tonnen schwerer Klotz herausgeholt. Selbst Experten sehen darin eine Herausforderung. Für diesen Klotz wurde 200 Meter weiter ein Zwischenlager für die nächsten 30 bis 60 Jahre gebaut. „Warum hat man das nicht so gebaut, dass auch der andere Müll dort untergebracht wird?“, fragt sich Krischer.



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