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Berlin/Paris (dpa) Trotz Atomausstiegs und Eiseskälte - Deutschland hat derzeit genug Strom, um Frankreich vor einem Energie-Engpass zu bewahren.
AKW Fessenheim: In Frankreich steigt der Stromverbrauch auf Rekordhöhen, was zu Engpässen führt. Foto: Patrick Seeger (Foto: dpa)
Nach Angaben des französischen Netzbetreibers RTE kletterte der Leistungsbedarf im Nachbarland am Mittwochabend zeitweise auf 101 700 Megawatt - er lag damit so hoch wie nie zuvor.
Seit Tagen liefert auch Deutschland trotz nur noch neun Atommeilern viel Strom. «Die Energiewende hat den ersten Härtetest bestanden», sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Mittwoch im Bundestag. Deutschland exportiere derzeit täglich netto 150 000 bis 170 000 Megawatt-Stunden Strom.
Der Stromverbrauch war in Frankreich am Mittwoch fast die ganze Zeit doppelt so hoch wie in Deutschland, obwohl hier über 15 Millionen Menschen mehr leben. Ein Grund dafür sind die vielen Elektroheizungen in Frankreich, die bei der anhaltenden Kälte große Mengen Strom fressen. Gerade mittags und abends liegt der Leistungsbedarf seit Wochenbeginn in Frankreich wiederholt bei knapp 100 000 Megawatt.
Der französische Verbrauch entsprach der Leistung von mehr als 80 Atomreaktoren mit einer Leistung von 1200 Megawatt. Da in Frankreich aber derzeit nur 55 Meiler Strom liefern und andere Quellen den Bedarf nicht decken können, muss das Land Strom einführen. Der Börsenstrompreis war am Dienstagabend mit 34 Cent je Kilowattstunde in Frankreich wegen der massiven Nachfrage fast dreimal so hoch wie zur selben Zeit in Deutschland, wo nur noch neun AKW laufen.
Die französische Regierung sprach von einer Ausnahmesituation. Auf das Jahr hochgerechnet, exportiere Frankreich mehr Strom als es importiere, betonte das zuständige Energieministerium. Ein Atomausstieg wird von Präsident Nicolas Sarkozy kategorisch ausgeschlossen und als viel zu teuer beurteilt.
Teilweise muss Frankreich derzeit mehr als 7000 Megawatt-Stunden Strom importieren, um die Versorgung zu sichern. In Deutschland federt in hohen Verbrauchszeiten am Mittag wegen der vielen Sonne der oft geschmähte Solarstrom Verbrauchsspitzen ab. Auch der Windstrom hat je nach Wetter einen Anteil daran, dass auch nach Stilllegung von acht AKW größere Probleme bisher ausblieben. Nach der Atomwende wegen der Fukushima-Katastrophe hatten Energiemanager betont, man werde nun dauerhaft von französischem Atomstrom abhängig sein.
RWE-Chef Jürgen Großmann warnte aber vor zu viel Euphorie, denn bei einem größeren Kraftwerksausfall könne die Lage auch schnell wieder ganz anders aussehen und brenzlig werden. Man fahre auf Sicht. «Niemand kann ein Interesse haben an einem großflächigen Blackout, der einen gigantischen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen würde», sagte Großmann der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Nach Informationen von «Financial Times Deutschland» (FTD) und «Handelsblatt» (Donnerstag) mussten am Mittwoch in Deutschland Reservekraftwerke aktiviert werden. So kam laut FTD fast während des ganzen Tages der 220 Megawatt starke Block 3 des Erzeugers Großkraftwerk Mannheim zum Einsatz. Auch die so genannte Kaltreserve in Österreich nahmen die Netzbetreiber demnach in Anspruch. Die Bundesnetzagentur hatte dort im vergangenen Sommer vorsichtshalber gut 1000 Megawatt Leistung in älteren Öl- und Kohlekraftwerken zur Stabilisierung des deutschen Netzes reserviert.
Bundesnetzagentur-Chef Matthias Kurth sagte n-tv, nachdem Deutschland im Zuge des Atom-Moratoriums zum Stromimporteur geworden sei, führe man nun «gewaltige Mengen Strom auch nach Frankreich aus». «Das hängt natürlich damit zusammen, dass wir noch hohe Teile konventioneller Stromerzeugung haben, eben nicht nur die Erneuerbaren, sondern auch noch Kernenergie.»
Der Grünen-Politiker Hans-Josef Fell betonte, dass in Frankreich der hohe Verbrauch und mangelnde Anstrengungen für Energieeinsparungen für die angespannte Lage mitverantwortlich seien. «Frankreich gefährdet mit seiner atomlastigen Stromversorgung die europäische Energieversorgungssicherheit.»
In Deutschland wird angesichts der Zahlen auf die Bedeutung einer Offensive bei energetischen Gebäudesanierungen hingewiesen, da dies den Verbrauch weiter reduzieren würde. Durch eine Dämmung lässt sich bis zu 70 Prozent an Energie sparen. Doch das Förderprogramm mit Steuerrabatten und zinsgünstigen Krediten könnte wegen Geldmangels und einem Bund-Länder-Streit weitaus geringer ausfallen als geplant.
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