Hintergründe und Rückblick
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Bern (dpa) Kinderarbeit, Umweltfrevel und Steuervermeidung in Afrika: Zwei Schweizer Hilfsorganisationen haben dem weltgrößten Rohstoffhändler Glencore am Montag skrupelloses Geschäftsgebaren in der Demokratischen Republik Kongo vorgeworfen, einem der ärmsten Länder der Welt.
Der Konzern Glencore, der große Teile der weltweiten Rohstoffgewinnung und -vermarktung kontrolliert, wehrt sich gegen die Vorwürfe. Foto: Sigi Tischler (Foto: dpa)
Der im Schweizer Kanton Zug ansässige Konzern wies die Vorwürfe, die vom britischen Sender BBC weltweit verbreitet wurden, vehement zurück. Erhoben wurden die Anschuldigungen von den Hilfsorganisationen «Brot für alle» und «Fastenopfer».
Nach eigenen Angaben haben sie Geschäftspraktiken von Glencore in dem zentralafrikanischen Land eine halbes Jahr lang untersucht und dafür Zeugen vor Ort interviewt. «Der Schweizer Rohstoffkonzern kauft Kupfer von Zwischenhändlern, das unter sehr prekären Bedingungen und von Kindern abgebaut wurde», beklagen die Organisationen. «Zudem betreibt Glencore Steuervermeidung, missachtet Arbeitsrechte und verursacht massive Umweltschäden.»
Der Konzern, der große Teile der weltweiten Rohstoffgewinnung und -vermarktung kontrolliert, widersprach den Vorwürfen. Auch im Kongo arbeite Glencore nach den Prinzipien einer «fairen Entlöhnung und einer Null-Toleranz gegenüber Menschenrechtsverletzungen».
Die Kritiker halten Glencore die Lage in der Kupfermine Tilwezembe vor, die über das Tochter-Unternehmen Kamoto Copper Company (KCC) zum Imperium der Schweizer gehöre. 1600 Kleinschürfer - ein Drittel von ihnen sei minderjährig - sollen dort auf eigene Faust Rohstoffe abbauen, in deren Besitz Glencore über Zwischenhändler komme.
In Tilwezembe würden «Kleinschürfer mit nackten Händen und ohne Sicherheitsvorkehrungen in bis zu 80 Meter tiefe Schächte hinuntersteigen», erklären die Organisationen. «Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen und die desolate Hygienesituation verursacht zahlreiche Krankheiten.»
Der Konzern erklärte, das betroffene Abbaugebiet sei von den Kleinschürfern besetzt worden. «Glencore profitiert in keiner Weise davon und kauft auch keine Produkte von den Kleinschürfern», sagte Glencore-Sprecher Simon Buerk. «Andernorts haben andere Betreiber in vergleichbaren Situationen versucht, Leute zu vertreiben, was zu Gewalt und auch zu Todesfällen geführt hat», sagte Buerk der Schweizerischen Depeschenagentur SDA. Glencore aber gehe vorsichtig vor und versuche, Eskalationen zu verhindern.
Glencore sei für die Verschmutzung des Luilu-Flusses in der rohstoffreichen Provinz Katanga durch sein Tochterunternehmen KCC verantwortlich, kritisieren die Organisationen weiter. Dort gebe es inzwischen keine Fische mehr. Der Konzern erwiderte, er habe nach Übernahme der KCC-Aktivitäten 2009 begonnen, ein geschlossenes Systems für flüssige Abwasser zu installieren. Dadurch sei das Problem inzwischen gelöst worden.
Der Konzern reagierte allerdings nicht auf Vorwürfe der Hilfsorganisationen, wonach durch Verlagerungen der Sitze von im Kongo tätigen Tochterfirmen ins Ausland dem afrikanischen Staat Steuern in Höhe von 196 Millionen Dollar entgangen seien. Der Konzern, der weltweit direkt und indirekt 55 000 Menschen beschäftigt und zum Transport von Rohstoffen eine Flotte von 100 Containerschiffen unterhält, hat im vergangenen Jahr 4,27 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Die Gesamtinvestitionen im Kongo sollen nach Konzernangaben bis Ende 2012 auf 3,3 Milliarden Dollar wachsen.
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