3. Liga: Schmerzhafte Preußen-Pleite gegen Darmstadt

MÜNSTER Erstmals in dieser Saison hat der SC Preußen zu Hause verloren. Erstmals in dieser Saison weist die Bilanz des Aufsteigers nun mehr Niederlagen als Siege auf. Das unnötige und irgendwie auch unglückliche 1:2 (1:0) gegen den SV Darmstadt 98 war insgesamt die achte Pleite. Bei nur sieben Erfolgen muss der Blick nun ganz eindeutig nach unten gehen. Der Klassenerhalt ist längst noch nicht unter Dach und Fach. Gegen den Mitaufsteiger unterlag Münster trotz einer sehr guten ersten Hälfte. Umso schwächer war der zweite Abschnitt. Mal wieder fiel der entscheidende Gegentreffer in der Endphase.

  • Ein Klassetor erzielte Joe Vunguidica (l.).

    Ein Klassetor erzielte Joe Vunguidica (l.). Foto: Jean-Marie Tronquet

"Die erste Halbzeit war eigentlich gut. Keine Ahnung, warum wir dann so nachgelassen haben. Traurig, dass wir uns dann auch noch zwei so dumme Gegentore fangen", schimpfte Abwehrspieler Fabian Hergesell. Auch Stürmer Marko Königs war ratlos: "Eigentlich mussten wir doch nur so weiterspielen. Aber wir haben das Resultat nur noch verwaltet." Sechs Punkte sind es nur noch auf den ersten Abstiegsplatz. Mit Platz 16 ist jetzt der Tiefstand in der Tabelle erreicht. Trainer Pavel Dotchev analysierte: "Ich habe die Leidenschaft bei uns vermisst. Wir hatten nach der Führung die Möglichkeiten nachzulegen, aber wir betreiben weiter viel Aufwand und es kommt nichts dabei heraus." Der Coach bemängelte natürlich auch vor allem die zweite Hälfte: "Da waren wir zu passiv. Und insgesamt zu naiv. Zudem haben die Eingwechselten nicht gerade frischen Wind gebracht."

Halet muss passen

Dotchev musste nicht nur auf den am Freitag im Training schwer verletzten und notoperierten Babacar N'Diaye verzichten, sondern auch auf Clément Halet. Der französische Innenverteidiger kämpfte seit dem Vortag mit Rückenproblemen. Für ihn rückte Marco Riemer von rechts ins Abwehrzentrum, Benjamin Siegert spielte stattdessen eine Position weiter hinten als Außenverteidiger. Und für den Ex-Osnabrücker kam Nejmeddin Daghfous in die Startelf. Erwartungsgeamäß stand zudem Max Schulze Niehues für den am Knie lädierten Daniel Masuch im Tor. Jens Truckenbrod kehrte nach seiner Gelbsperre zurück, Massimo Ornatelli musste weichen.

Auf äußerst ramponiertem Geläuf - der Zustand war nur als weiteres Plädoyer für eine Rasenheizung zu werten - begannen beide Seiten recht hektisch, vielleicht ließ auch der Boden nicht mehr Ballkontrolle zu. Den ersten lichten Moment hatten die Preußen, als Björn Kluft von links Jens Truckenbrod bediente. Dessen Versuch am Fünfer ging aber deutlich vorbei (7.). Auf der Gegenseite düpierte Rudolf Hübner Benjamin Siegert, die Hereingabe klärte Riemer in höchster Not gegen Preston Zimmermann (12.).

Viele lange Bälle

Der SCP arbeitete, angesichts der Verhältnisse logisch, viel mit langen Bällen, die durchaus präzise auf Kluft oder Joe Vunguidica kamen. Auch einige Freistöße in der gegnerischen Hälfte provozierten die Gastgeber. Im Anschluss an eine solche Standardsituation kam Jonathan Bourgault frei zum Schuss, ein Abwehrbein war aber dazwischen (18.). Nach der folgenden Ecke köpfte Riemer am langen Pfosten vorbei (19.). Zur Führung bedurfte es aber einer Einzelleistung von Vunguidica. Der Angolaner bekam den Ball von Siegert an der Außenlinie, ließ dann auf dem Weg in den Strafraum gleich vier Darmstädter stehen und schloss mit links aus acht Metern zum 1:0 ab (25.). Ein herrlicher Treffer, eine verdiente Führung.

Gelungene Kombinationen

Die Hausherren machten auch gleich entschlossen weiter. Marco Königs zwang Jan Zimmermann im 98-Gehäuse zu einer Parade, den Abpraller setzte Daghfous ans Außennetz (29.). Auch wenn es kein Offensivfeuerwerk war, das die Preußen da anboten, zogen sie das Publikum mit ihrem Willen und immer wieder eingestreuten gelungenen Kombinationen auf ihre Seite. Königs etwa scheiterte an Cem Islamoglu und seiner Rettungstat (36.). Oft verhinderte nur eine Nuance eine klare Chance des SCP, der auch hinten fast nichts zuließ. Ja, das Dotchev-Team ging mit der Gewissheit einer prima Vorstellung in die Kabine.

Aus der kam der engagierte, aber oft unglückliche (und bereits verwarnte) Daghfous nicht mehr zurück, seinen Part übernahm Ornatelli. Münster zog sich nun etwas zurück, stand tiefer in der Verteidigung. Trotzdem fiel der Ausgleich fast aus dem Nichts. Ein Ballverlust im Vorwärtsgang und eine missglückte Abseitsfalle (Siegert) ebneten den Gästen den Weg zum 1:1. Der gerade eingewechselte Marcus Steegmann spielte Preston Zimmermann frei. Der Stürmer marschierte allein auf Schulze Niehues zu und ließ dem Keeper keine Möglichkeit (55.).

Überlegenheit hinfällig

Dieser Treffer war ein Schock, den hatte der SCP nicht verdient, nichts hatte darauf hingedeutet zuvor. Truckenbrod antwortete mit einem Freistoß aus guter Position - drüber (59.). Die Überlegenheit des ersten Durchgangs war aber erstmal hinfällig. Nur zögerlich näherten sich die Gastgeber dem Strafraum der Südhessen. Die Flanken kamen aber oft viel zu unpräzise. Vergeblich warteten die Zuschauer auf zwingende Gelegenheiten, auch wenn Münster in der Schlussphase wieder die Initiative ergriff. Glück hatte der Tabellen-15. allerdings, als Torschütze Zimmermann eine Steegmann-Hereingabe aus kurzer Distanz am langen Pfosten vorbei setzte (77.). Und als Riemer gegen Hübner in letzter Sekunde den Fuß vor den Ball warf (84.).

Es war schon irgendwie seltsam, wie die Preußen der guten ersten Hälfte eine ideenlose zweite folgen ließen. Jegliche Durchschlagskraft fehlte nun, auch der für Königs gekommene Radovan Vujanovic war keine Hilfe. Auch wenn die Motivation nach wie vor vorhanden war, war der Auftritt nach dem 1:1 enttäuschend. Es schien schon so, als sei der Missmut kaum noch zu toppen, da folgte der endgültige Genickschlag: Uwe Hesse schob Siegert an der Mittellinie leicht zur Seite, verschaffte sich so aber den entscheidenden Vorteil. Dann setzte der Flügelmann zum Solo an, zog an der gesamten SCP-Deckung vorbei und zog wuchtig aus 18 Metern ab. Das 1:2 (85.) verhagelte der Heimmannschaft endgültig den Nachmittag. Schulze Niehues verhinderte gegen Joker Oliver Heil so eben noch das 1:3 (89.).

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SCP: Schulze Niehues - Siegert, Kühne, Riemer, Hergesell - Truckenbrod - Daghfous (46. Ornatelli), Kluft (83. Grote) - Königs (65. Vujanovic), Vunguidica
SVD: J. Zimmermann - Gaebler, Kopilas, Islamoglu, Brighache - Beisel (65. Heckenberger) - Hesse (88. Heil), Amstätter (53. Steegmann), Latza, Hübner - P. Zimmermann
Schiedsrichter: Jan Seidel (Henningsdorf)
Tore: 1:0 Vunguidica (25.), 1:1 P. Zimmermann (55.)
Zuschauer: 5572

  • Vor dem Anpfiff gedachten alle im Stadion dem in der vergangenen Woche gestorbenen langjährigen Preußen-Spielführer Heribert Kania
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Autor
Thomas Rellmann
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    10. März 2012, 13:49 Uhr
    Aktualisiert:
    10. März 2012, 16:29 Uhr