JVA Bochum: Gefangener tritt wegen Einheitskleidung in Hungerstreik

BOCHUM Ein Häftling der Bochumer Justizvollzugsanstalt befindet sich seit dem 10. Dezember im Hungerstreik. Damit will er seinen Protest gegen die Einheitskleidung der Häftlinge zum Ausdruck bringen. Er sei kein Häftling wie alle anderen, deswegen wolle er auch nicht so aussehen. Der Mann sieht sich als politischen Gefangenen – verurteilt wurde er wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

  • Einmal mehr steht die JVA Bochum in den Schlagzeilen.

    Einmal mehr steht die JVA Bochum in den Schlagzeilen. Foto: Archiv

In einem Brief aus dem Gefängnis schreibt er: „Die Einheitskleidung, mit anderen Worten Verbrecherkleidung, ist ein Angriff auf die Würde von Gefangenen.“ Sie sei eine Erniedrigung der Persönlichkeit. Deshalb habe er nicht akzeptiert, diese auch zu tragen.

Bereits der zweite Streik

Einen ersten Hungerstreik im Oktober hat er 20 Tage lang durchgehalten – danach trug er die Anstaltskleidung und aß wieder ganz normal. Aktuell werden viele Gespräche mit dem Mann geführt, sagt der neue JVA-Chef Thomas König. Außerdem befinde sich der Inhaftierte unter medizinischer Beobachtung. „Einen Hungerstreik kann man sehr, sehr lange durchhalten, wenn man ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt“, sagte ein Sprecher des Justizministeriums am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung.

Und: „Wir können uns keine Blöße geben und vor einem verurteilten Straftäter einknicken.“ Der Mann sitze nicht ohne Grund im Gefängnis. Entsprechend müsse er sich auch an die Regeln hinter Gittern halten, so der Sprecher weiter. Und dazu gehöre auch die Einheitskleidung der Häftlinge – selbst wenn der Häftling das anders sieht.

Große Ausnahme

Neben dem Hungerstreik verzichtet der Mann seit dem 29. Dezember auch auf seine Kleidung. „Wir sind dabei, das Problem aus der Welt schaffen“, sagt JVA-Chef König. Allerdings müsse geschaut werden, in wie weit man dem Druck des Häftlings nachgebe. Ein Einknicken könnte Nachahmer auf den Plan rufen. Und das wolle man vermeiden, so König.

Hungerstreiks hinter Gittern seien eine große Ausnahme, sagt der JVA-Chef. Und der Ministeriumssprecher ergänzt: „Häufig sind es keine Hungerstreiks. In vielen Fällen schmeckt den Häftlingen das Anstaltsessen einfach nicht.“ Das allerdings kann in diesem Fall ausgeschlossen werden. Der Häftling streikt aus Überzeugung.
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