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Ahauser Kulturausschuss lässt „Haberstraße“ durchfallen

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Der Vorschlag des Heimatvereins ist aus moralischen Gründen abgelehnt worden. Nobelpreisträger Fritz Haber (1868-1934) sei ein „strammer Nationalist“ gewesen und gelte als „Vater des Gaskriegs“.

Ahaus

, 14.09.2018 / Lesedauer: 3 min

Zwei Vorschläge zur Benennung von Straßen im neuen Gewerbegebiet Ahaus Ost II durfte der Heimatverein Ahaus vorlegen. Mit der „Meitnerstraße“ (benannt nach der Kernphysikerin Lise Meitner) hatte der Kulturausschuss am Mittwoch kein Problem. Die „Haberstraße“ fiel jedoch in Bausch und Bogen durch. Der Ausschuss lehnte es ab, in Ahaus eine Straße nach dem deutschen Nobelpreisträger Fritz Haber (1868-1934) zu benennen.

Der Chemiker erhielt 1918 den Nobelpreis für Chemie „für die katalytische Synthese von Ammoniak aus dessen Elementen Stickstoff und Wasserstoff“. Habers Forschungsergebnisse sichern heute durch den Einsatz von Stickstoffdünger die Ernährung eines großen Teils der Weltbevölkerung.

Renate Schulte (UWG) erklärte, warum eine „Haberstraße“ nicht zu akzeptieren sei: Das habe mit der Schattenseite von Fritz Haber zu tun. „Er hat Giftgas mit entwickelt.“ Haber stellte sein Wissen ab 1914 in den Dienst des Militärs und gilt heute als „Vater des Gaskriegs“. Renate Schulte: „Wir würden aus moralischen Gründen den Namen nicht gerne in Ahaus sehen.“

„Strammer Nationalist“

Für die SPD äußerte Erhard Lemmink Bedenken gegen eine „Haberstraße“ und den Vorschlag des Heimatvereins. Wenngleich Haber nach der Machtergreifung der Nazis 1933 noch im gleichen Jahr nach Großbritannien emigrierte, sei er doch ein strammer Nationalist gewesen.

Erhard Lemmink schlug auch einen Bogen in die Gegenwart: „Wenn in Syrien Giftgasbomben fallen, ist das auf die Arbeit von Fritz Haber zurückzuführen.“

Beatrix Wantia (CDU) regte an, noch einmal ins Namensvergabeverfahren einzusteigen. „Die Verwaltung sollte Kontakt zum Heimatverein aufnehmen und um einen neuen Namensvorschlag bitten.“ Der Ausschuss unterstützte diesen Antrag.

Ein Vorgehen, über das sich Ralf Büscher als Vorsitzender des Heimatvereins am Donnerstag überrascht und enttäuscht zeigte. Überrascht, weil die Verwaltung beide Vorschläge geprüft und freigegeben habe. Enttäuscht, weil schon zum dritten Mal ein Namensvorschlag des Heimatvereins von den Lokalpolitikern abgelehnt worden sei.

Heimatverein verärgert

Ralf Büscher erinnerte an die Diskussion um die Benennung des Nordrings, für die der Heimatverein zuerst „Lübkering“ (früherer Bundespräsident) vorschlagen hatte. „Ich bekomme langsam das Gefühl, dass die Arbeit des Heimatvereins bei Straßenbenennungen nicht wertgeschätzt wird“, sagte Ralf Büscher im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. „Wir haben die Vorschläge ehrenamtlich nach bestem Wissen und Gewissen erarbeitet.“

Alle von der Verwaltung geforderten Kriterien für die Namensvergabe von Straßen im Industriegebiet seien erfüllt. Ralf Büscher: „Vielleicht sollten wir als Nächstes Kulturausschussweg, Kulturausschussstraße und Kulturausschussallee vorschlagen.“ Das werde dem Gremium sicher gefallen.

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