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Die Verwaltung genehmigte das Abholzen einer alten Eiche auf einem Privatgrundstück am Kämpken. Die Emotionen darüber kochten im Rat jetzt hoch.

Ahaus

, 11.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Auch wenn mit der Säge schon Tatsachen geschaffen wurden: Der „Fall“ einer über 100 Jahre alten Eiche auf einem Privatgrundstück am Kämpken war das beherrschende Thema der Ratssitzung am Mittwoch. Dass der Baum gefällt wurde, stieß quer durch die Fraktionen auf Kritik. Das lag vor allem daran, dass die Eiche unter „besonderem Schutz“ des Rates stand (Münsterland Zeitung berichtete).

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„Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Emotionen im Rat vor 21 Jahren hochkochten“, sagte Dieter Homann (UWG). Dass 1997 eine vom Eigentümer beabsichtigte Fällung verhindert werden konnte, sei einem einmütigen Beschluss des Rates sowie dem couragierten Auftreten des damaligen Stadtbaudirektors Bruno Schaffernoth und des Technischen Beigeordneten Reinhard Sommer zu verdanken.

Baum stand unter Schutz

Letztere hätten „der Säge den Stecker gezogen“. Denn: der Baum war seit Anfang der 80er-Jahre im Bebauungsplan als schutzwürdig eingetragen. Ein nicht genehmigtes Fällen hätte ein fünfstelliges Strafgeld nach sich gezogen.

Warum der Baum anno 2018 gefällt werden durfte, das erklärte der Beigeordnete Georg Beckmann dem Rat. Anfang Juli habe der Eigentümer einen Antrag auf Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes gestellt. Die Stadtverwaltung holte ein Gutachten ein und genehmigte den Baumschlag Mitte August.

„Das war ein Geschäft der laufenden Verwaltung“, erklärte Georg Beckmann. Dass es noch einen 21 Jahre alten Ratsbeschluss zu dem Baum gebe, das sei ihm erst am vergangenen Montag bekannt geworden, sagte der Beigeordnete. Georg Beckmann begründete auch, warum die Säge angesetzt werden durfte: „Es gab ein erhöhtes Gefährdungspotenzial durch den Ausbruch weiterer Kronenteile bei Starkwind-Ereignissen.“ Bedeutet: Bei Sturm hätten Äste aus der Krone auf den Gehweg fliegen können.

Schäden durch Wetterereignisse

2017 sei die Eiche von einer umgestürzten städtischen Buche beschädigt worden, 2018 habe Sturmtief „Friederike“ Spuren an der Eiche hinterlassen. Georg Beckmann: „Der Baum war nicht krank im Sinne eines Pilzbefalls oder Ähnlichem. Er war krank im Sinne einer wetterabhängigen Schädigung.“

Als Ersatz für den gefällten Baum muss der Eigentümer auf dem Grundstück zwei Eichen mit einem Stammumfang zwischen 18 und 20 Zentimetern pflanzen. Andreas Beckers (UWG): „Die beiden Bäumchen als Ersatz sind ein Witz. Die sind ein bisschen dicker als ein Streichholz.“

Gleichwohl sei das Vorgehen genehmigt worden, sagte Georg Beckmann. „Es gab kein fehlerhaftes Verhalten der Verwaltung.“ Das sah Dieter Homann (UWG) gänzlich anders. „Welcher Baum ist in Ahaus dann noch zu erhalten? Wenn die nächsten Stürme kommen, können wir ja gleich alles abholzen.“ Der Ratsbeschluss von 1997 sei schlicht und einfach ausgehebelt worden. Es entwickelte sich ein munteres Frage- und Antwortspiel, das wir hier in Auszügen wiedergeben.

Gefällte Eiche bringt Bürgermeisterin im Rat in Bedrängnis

Dass eine Eiche am Kämpken gefällt werden durfte, sorgte im Rat für eine heftige Diskussion. © FOTO: Christian Boedding

Fragen und Antworten

Norbert Frankemölle (WGW): „Gab das Gutachten die Empfehlung, den Baum zu fällen oder die Krone zu schneiden?“ Georg Beckmann: „Es gab nur den Hinweis auf das Gefahrenpotenzial. Die Verwaltung wog daraufhin die Entscheidung ab.“

Thomas Vortkamp (CDU): „Frau Bürgermeisterin, wie geht in solchen Fällen der Geschäftsgang im Rathaus vonstatten? Entscheiden Sie das final? Wer macht das?“ Bürgermeisterin Karola Voß: „Das macht der Verwaltungsvorstand im Baubereich“ (Georg Beckmann).

Thomas Vortkamp: „Sie wussten davon nichts?“ Karola Voß: „Nein.“

Markus Reehuis (CDU): „Sollen solche Sachen weiter an Ihnen vorbeigehen oder wollen Sie das ändern?“ Karola Voß: „Es gibt die Regelung, dass mir Besonderheiten von den Vorstandsverantwortlichen mitgeteilt werden. Aber die Beigeordneten können selbst auch Dinge entscheiden.“ Sie gehe davon aus – sagte Karola Voß – in ähnlichen Fällen künftig einen Hinweis zu bekommen.

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