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Reaktorbetreiber aus Garching sehen für Atommüll nur den Weg nach Ahaus

mlzZwischenlager

Mitglieder des Rates und der Verwaltung diskutierten mit Vertretern der Technischen Uni München. Aus deren Forschungsreaktor soll im Jahr 2019 Atommüll nach Ahaus kommen.

Ahaus

, 30.11.2018 / Lesedauer: 4 min

Seit dem 1. November ist Dr. Ewold Seeba Vorsitzender der Geschäftsführung der BGZ (Gesellschaft für Zwischenlagerung). Anfang der Woche stellte er sich im Informationshaus des Brennelemente-Zwischenlagers in Ahaus, das in seine Zuständigkeit fällt, Ratsmitgliedern vor. „Herzlich willkommen in Asse“, sagte Seeba - und erntete dafür von einigen Gästen ein Schmunzeln und überraschte Blicke. Die dortige Schachtanlage hat nicht den besten Ruf, was die Lagerung radioaktiver Abfälle angeht.

„Informieren und diskutieren“

Ewold Seeba war nicht alleine nach Ahaus gekommen. Mit dabei waren weitere BGZ-Vertreter sowie Mitarbeiter der Technischen Universität München. Die Uni betreibt den Forschungsreaktor München (FRM II) in Garching, aus dem im Jahr 2019 abgebrannte Brennelemente nach Ahaus gebracht werden sollen (wir berichteten mehrfach). „Informieren und diskutieren“, hatte sich Ewold Seeba für diesen Abend vorgenommen. „Ich vertrete an der ein oder anderen Stelle sicher andere Positionen als Sie“, sagte er den Ratsmitgliedern und der Verwaltungsspitze der Stadt.

Reaktorbetreiber aus Garching sehen für Atommüll nur den Weg nach Ahaus

Dr. Ewold Seeba ist neuer Vorsitzender der Geschäftsführung der Gesellschaft für Zwischenlagerung.

Dr. Anton Kastenmüller von der Technischen Universität München berichtete, dass geplant sei, hochangereichertes Uran aus dem Forschungsreaktor nach Ahaus zu bringen. Kastenmüller ist Technischer Direktor der von der Uni betriebenen Forschungs-Neutronenquelle. Felix Ruwe, UWG-Ratsmitglied und Sprecher der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ hakte sofort nach: „Sie sollten den Reaktor bis Ende 2018 auf abgereichtes Uran umrüsten. Warum machen Sie das nicht?“

Eine Frage des Brennstoffs

Eine erste Frist zur Umrüstung war 2010 verstrichen. Daraufhin hatten sich der Bund und das Land Bayern auf den 31. Dezember 2018 als verbindlichen Termin verständigt. Daran fühlt sich die Landesregierung aber nicht mehr gebunden. Dr. Kastenmüller erklärte, warum: Weil es den von Felix Ruwe angesprochenen, „qualifizierten Brennstoff“ in dieser Form nicht gebe. Als Ruwe dem widersprach, schränkte Kastenmüller ein, dass es zwar einen solchen niedrig angereicherten Brennstoff gebe, dieser bislang aber experimentell genutzt werde – nicht zum dauerhaften Reaktorbetrieb.

Reaktorbetreiber aus Garching sehen für Atommüll nur den Weg nach Ahaus

Der Forschungsreaktor in Garching mit der unter Denkmalschutz stehenden Kuppel, auch bekannt als „Atom-Ei“. © TUM/W. Schürmann

Beim möglichen Transport der ausgedienten Brennelemente aus dem Garchinger Forschungsreaktor soll ein neuer Castor-Typ (MTR III) eingesetzt werden. Dieser Castor ist allerdings noch nicht zugelassen. „Wir sind Kunde des Herstellers“, hatte Kastenmüller keine Informationen über den Stand des Zulassungsverfahrens zur Hand. „Auch beim Transport sind wir nur Kunde.“ Die Einlagerung in Ahaus läuft ebenso ohne das Zutun der Uni München. „Dafür ist die BGZ zuständig.“

Insgesamt drei Genehmigungen sind vonnöten, bis der Castor von Garching nach Ahaus rollen kann. Erforderlich ist eine verkehrsrechtliche Zulassung, die nach Ausssage von Dr. Heiko Gerstenberg von der TUM „weit fortgeschritten“ sei, sowie eine Aufbewahrungsgenehmigung und eine Beförderungsgenehmigung.

Klageweg

Hans-Georg Althoff, Erster Beigeordneter der Stadt Ahaus, erinnerte an das von der Stadt betriebene Klageverfahren gegen die Einlagerung der Brennelemente aus Garching in Ahaus. Es sei noch völlig unklar, wann es zu einer Gerichtsverhandlung komme. „Und ohne eine Entscheidung des Gerichtes wird es keinen Transport geben.“ Wenn nötig, werde die Stadt vor das Bundesverwaltungsgericht gehen. „Dann sind wir fünf bis zehn Jahre weiter.“

Dr. Anton Kastenmüller antwortete, dass die Transporte nach Ahaus intensiv juristisch geprüft worden seien. „In Ahaus stehen schon 18 MTR II-Behälter (aus dem Forschungsreaktor Dresden-Rossendorf). Wir sehen nicht den Unterschied, dass das Inventar aus Garching gänzlich von dem abweicht, was in Ahaus schon eingelagert ist.“

Gefahren von oben

Hermann Josef Haveloh (UWG-Ratsmitglied) sprach den aktuellen Mauerbau rund um das Zwischenlager an. Bis Ende 2019 entsteht eine zehn Meter hohe, einen Meter dicke und 500 Meter lange Mauer zum Schutz vor terroristischen Gefahren. „Aber was ist mit der Gefahr von oben?“ fragte Haveloh, der seine Befürchtungen in Worte kleidete: „Ich habe die Befüchtung, dass in 30 Jahren das Dach abgenommen wird, dann wird das Ganze mit Beton gefüllt und dann haben wir hier ein Endlager.“

Die Endlagersuche laufe, erklärte Kastenmüller dazu. Zum Einwand von Felix Ruwe, dass im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern stehe: „Wir denken beim Schutz unserer Heimat über Generationen hinaus. Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist“, sagte Kastenmüller: „Bayern ist im Standortauswahlverfahren genauso drin wie alle anderen.“

„Der deutsche Weg“

An kommende Generationen dachte auch Bürgermeisterin Karola Voß. „Wir wollen klären lassen, wie weit wir verpflichtet sind, Atomabfälle aus der ganzen Republik zu nehmen. „Das, was hierher kommt, bleibt hier bis zum Betrieb des Endlagers. Wir reden über Jahrzehnte.“

Atommüll nach Ahaus zu bringen, das sei der „deutsche Weg“, entgegnete Anton Kastenmüller. „Das wurde schon vor vielen, vielen Jahren beschlossen. Wir sehen keine andere Möglichkeit, als unsere Brennelemente nach Ahaus zu bringen und hier zwischenzulagern.“ Die Genehmigung dafür datiere aus dem Jahr 1996.

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