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Zum mittlerweile zehnten Mal veranstalteten die Ahauser Gymnasien gemeinsam mit der VHS den Ahauser Universitätstag. Das Thema „(R)Evolution“ gingen die Dozenten sehr unterschiedlich an.

Ahaus

, 13.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Was haben Brexit, Islam und Bitcoin gemeinsam? Die Antwort gab es auf dem zehnten Universitätstag im Gebäude des Alexander-Hegius-Gymnasiums (AHG) mit dem Oberthema „(R)Evolution“. Gemeinsam mit der Canisiusschule und der VHS wurde das AHG für einen Tag in einen Universitäts-Campus verwandelt, der Oberstufenschülern einen Einblick in den studentischen Alltag gewähren sollte. Insgesamt 30 Dozenten konnten die Organisatoren erneut nach Ahaus locken. Darunter unter anderem Geistes- und Naturwissenschaftler, Linguisten und Theologen. Auch vier Mitarbeiter des Ahauser Software-Unternehmens Tobit Software hielten einen Vortrag.

Doch wofür eigentlich der ganze Aufwand? „Es ist für uns sehr reizvoll, in Ahaus Universität zu simulieren. Anders als bei einem Studieninformationstag kann man hier Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete live erleben“, sagt Dr. Nikolaus Schneider, Direktor der VHS Ahaus. „Für uns ist wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler den wissenschaftlichen Diskurs authentisch kennenlernen“, ergänzt Michael Hilbk, Schulleiter des AHG. Die Schüler hatten bei der Auswahl der Vorlesungen die Qual der Wahl, denn maximal drei Veranstaltungen konnten belegt werden.

Gleich mehrere Dozenten aus Münster

Standortbedingt kamen gleich mehrere Dozenten aus der nahegelegenen Universitätsstadt Münster. Unter anderem Prof. Dr. Thomas Großbölting, eines der Aushängeschilder des historischen Seminars an der Westfälischen-Wilhelms-Universität. Für seinen Vortrag, der in einer lebhaften Diskussion münden sollte, wählte der gebürtige Bocholter das Thema „1968 global – national – lokal: Die Studentenunruhen und ihre gesellschaftlichen Wirkungen.“ Obwohl der Großteil seines Publikums mehr als 30 Jahre nach der 68er-Revolution geboren wurde, lautschten Schüler, Lehrer und Besucher von Beginn an aufmerksam.

Dafür sorgte nicht nur der sehr auf das Lokale fokussierte Inhalt, sondern auch sein verständliches Vokabular. Mit dem Vorurteil vom angestaubten Historiker, der sich in Fremdwörtern verliert, räumte er schnell auf. „Geschichtswissenschaftler beschäftigen sich in der Regel mit Dingen, die unter den Nägel brennen. Wir setzen aktuelle Ereignissse in einen historischen Kontext“, so Großbölting. „Wenn also die AFD erstarkt, schauen wir häufig auf die Zeit des Nationalsozialismus.“ Fotos vom Rolling-Stones-Konzert, Protestmärschen und einer Hausbesetzung in Münster zeigten die Entwicklungen der studentischen Revolution in der Region.

„Wir sind unpolitischer, weil wir alles haben“

Sein Vortrag endete mit einer Bitte an die Schüler, einmal selbst zu hinterfragen, wie sie gesellschaftlichen Wandel erleben. Sehr reflektiert präsentierte sich eine Schülerin, die anmerkte: „Wir werden immer mit der 68er-Generation verglichen, aber wir sind nicht so politisch, weil wir einfach schon alles haben. Deshalb ist auch die Fridays-for-Future-Bewegung hier bei uns an der Schule kein großes Thema.“ Thomas Großbölting sah sich damit in der Absicht seines Besuches bestätigt: „Es geht darum, etablierte Bilder in Frage zu stellen.“

Aus allen Nähten platzte der Vortrag „Muslimsein und Moderne, geht das?“ von Alexander Schmidt vom Zentrum für Islamische Theologie in Münster. Ein kurzer Einführungsvortrag über die angebliche Islamisierung Deutschlands mündete in einer lebhaften Diskussion, die das sachliche Niveau zu keiner Zeit verließ.

Niels Hakenes, Schulleiter der Canisiusschule, zog nach dem zehnten Universitätstag ein positives Fazit: „Die Qualität der Vorträge und die Qualität der Dozenten spiegeln die universitäre Landschaft wider. Es geht hier nicht darum, sich für ein Studium zu entscheiden, sondern dass jeder Schüler einen Themenbereich findet, der ihn interessiert und hilft, tiefergehend Dinge zu verstehen.“

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