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Vom Kühlkissen bis zum Glas, das quer an der Wand steht: Göckener produziert Alltagshelfer

mlzWirtschaft Ahaus

Vieles, was den Alltag erleichtert, tritt von der Boschstraße in Ahaus aus den Weg in die Apotheken- und Ladenregale an. Ein kleiner Einblick in ein Unternehmen mit großer Produktpalette.

Ahaus

, 11.02.2019 / Lesedauer: 5 min

Wer sich nach der Zahn-OP ein kühlendes Pad auf die geschwollene Wange legt, mit einem Kunststoffmantel die Flasche Sekt kalt hält, sich mit einer Wärmeflasche in Teddyform den schmerzenden Bauch wärmt oder mit einer PU-Unterlage beim Skifahren die Füße – der nutzt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Produkt, das an der Boschstraße 11 in Ahaus hergestellt wurde. Die Firma Göckener ist Experte für alles, was mit flachgeschweißten Folienprodukten hergestellt werden kann. Und das ist eine Menge.

Produktpalette ist sehr vielfältig

„Wir sind extrem breit aufgestellt“, sagt Geschäftsführer Engelbert Göckener. Ein Blick in den Katalog bestätigt das. Medizinische Helfer für den Alltag produziert das Unternehmen, Gel- und Moor-Wärmekissen, Flaschenkühler und Sicherheitswimpel für Kinderfahrräder. Aber auch Mousepads oder Thekenmatten, Seminarmappen oder Schutzhüllen. Kleine Sofort-Handwärmer oder Duschgel in Erdbeer- oder Schäfchenform mit Firmenaufdrucken – typische Giveaways – sind ebenfalls im Portfolio. Gelartige Inhalte in verschweißbaren Folien in nahezu jeder Form kann Göckener herstellen. Mit hochmodernen, nach eigenen Anforderungen gebauten Maschinen – und mit noch immer viel Handarbeit. Rund 50 Mitarbeiter zählt das Unternehmen.

Vom Kühlkissen bis zum Glas, das quer an der Wand steht: Göckener produziert Alltagshelfer

Die beschichteten Folien, die an langen Stangen für mehr Sicherheit für radfahrende Kinder sorgen, werden auch bei Göckener hergestellt. Die Sicherheitswimpel haben vollflächigen Motivdruck. © Markus Gehring

Studiert hat Engelbert Göckener Feinwerktechnik mit dem Schwerpunkt Kunststofftechnik. Im Studium hat der Ingenieur schon gemerkt: „Entwicklung lag mir mehr“. Als leitender Angestellter übernahm der 57-Jährige das Unternehmen Nünning, damals noch am Standort Wüllen. Das war im April 2000. Das bisherige Unternehmen hatte 15 Mitarbeiter, eine Fläche von 1500 Quadratmetern und brachte es auf einen Jahresumsatz von seinerzeit 1,6 Millionen Euro. Die Göckener GmbH machte zwei Jahre später, im Januar 2002, einen großen Sprung nach vorn: Der Weltkonzern 3M verlagerte seine Kompressenproduktion von seinem Werk in Borken nach Wüllen zu Göckener.

„3M ist unser Hauptkunde“, sagt Engelbert Göckener. Der Konzern lässt an zwei Standorten Kalt-Warm-Kompressen produzieren. Ein Standort ist in den USA, der andere in Ahaus. Diese Produkte gehen von der Boschstraße über das 3M-Logistikzentrum in Jüchen (Rheinland) mittlerweile nicht nur in europäische Länder, sondern beispielsweise auch nach Australien oder Südkorea.

Vom Kühlkissen bis zum Glas, das quer an der Wand steht: Göckener produziert Alltagshelfer

Hier wird Gel in einen Fußkühler abgefüllt. Fuß- und Handkühler nutzen Patienten während einer Chemotherapie. Auch dies ist ein medizinisches Produkt. © Markus Gehring

Noch im gleichen Jahr, im November 2002, erfolgte der Umzug von Wüllen nach Ahaus an die Boschstraße: Das Unternehmen zog in neu errichtete Produktions- und Lagerhallen mit einer Größe von 2200 Quadratmetern und in ein neues, rund 350 Quadratmeter großes Verwaltungsgebäude. 630 Quadratmeter weitere Produktionsfläche kamen 2006 hinzu: Das Unternehmen wollte unter anderem in die Herstellung von kosmetischen Produkten und Verpackungen für die Getränkeindustrie einsteigen. Dies erfordert eine besondere Umgebung: einen Sauberraum mit fünffachem gefilterten Luftwechsel pro Stunde sowie Überdruck. Die Beheizung und Kühlung werden durch Erdwärme gesteuert.

Zusammenarbeit mit Ahauser Unternehmen

Eine Produktionslinie aber, die sich als insgesamt zu aufwendig herausstellte. „Das haben wir ausprobiert, aber wir haben wieder Abstand davon genommen“, blickt Engelbert Göckener zurück. Für Aufträge im kosmetischen Bereich arbeitet Göckener mit dem Ahauser Unternehmen Pharcona (Entwicklung und Fertigung von Marken in den Bereichen Pharmazie, Kosmetik und Nahrungsergänzung) zusammen. Und wenn Engelbert Göckener von „zu aufwendig“ spricht, ist das sicher nicht leichtfertig. Denn das Unternehmen kennt sich als Hersteller medizinischer Produkte mit hohen Anforderungen und Hygienestandards aus .

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Petra Schlamann, Engelbert Göckener und Moritz Göckener (v. l.) im neuen Hochregallager © Anne Winter-Weckenbrock

„Die gesetzlichen Auflagen für medizinische Produkte sind sicher richtig. Sie werden aber auch immer mehr“, sagt Engelbert Göckener. Ob Inhaltsstoffe oder Fertigung – die Anforderungen sind extrem hoch. Selbst, wenn sich nur Kleinigkeiten ändern, müssen die Produkte neu zertifiziert und validiert werden. „Da gehen schon einmal zwei Jahre ins Land“, erklärt der Unternehmer. Engelbert Göckener und sein Team sind zudem ständig auf Prüfungen gefasst. Sie müssen es sein, denn die Prüfungen sind immer unangekündigt. Der Kunde 3M prüft, der TÜV prüft. Dazu kommen noch Audits.

Hohe Anforderungen sind einzuhalten

Die Notwendigkeit der hohen Anforderung an Material und Inhaltsstoffe ist aber gegeben. Was wäre, wenn die bunt bedruckte Kühlkompresse doch einmal reißt und ein Kind auf die Idee kommt, das ebenso bunte Gel, das dann austritt, zu probieren? Das Unternehmen tüftelt, um die strengen Vorgaben umzusetzen und ein sicheres Produkt marktreif zu machen. Gibt es dafür Patente?

„Seinerzeit haben wir die Moor-/Gel-Wärmeflasche für die Mikrowelle als Patent angemeldet“, sagt der Geschäftsführer. Mittlerweile aber werde nicht mehr mit Patenten gearbeitet. „Wir melden jetzt Gebrauchsmusterschutz an, da werden der Name und das Design geschützt“, sagt Moritz Göckener. Der 26-jährige Sohn von Engelbert Göckener ist im Studium, aber auch bereits in den Vertrieb des Unternehmens eingestiegen.

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Gel für die Untersuchungen mit dem Ultraschallgerät wird hier abgefüllt. © Markus Gehring

In den meisten Fällen aber arbeitet Göckener als Dienstleister: „Die Kunden kommen mit Ideen, wir machen die Produkte“, umschreibt es Engelbert Göckener.

So ist es eigentlich kein Wunder, dass auch bei Göckener Produkte hergestellt werden, die aus der TV-Gründer-Show „Höhe des Löwen“ bekannt sind. Eine Wärmflasche und ein Wasseraufbereiter – und der Kaiserschlüpfer. Das ist ein Slip für Mütter nach einer Kaiserschnittgeburt, der dank eines in Ahaus gefertigten Kühlpads die Narbe kühlt und den Druck, den die Kleidung auf sie ausübt, angenehm verteilt.

Viele Ideen entstehen sicher noch für einen Stoff, in dem das Ahauser Unternehmen großes Potenzial sieht: Polyurethan. Engelbert Göckener geht während des Gesprächs mit unserer Redaktion zu einer Pinwand in seinem Büro und setzt ein Glas an die Wand. Es bleibt stehen – ist die Schwerkraft aufgehoben? Mit Hilfe von Produkten von der Boschstraße offensichtlich. Göckener produziert rutschfeste Untersetzer, die man auf Oberflächen – eben auch Pinwände – kleben kann. Diese sind aus Polyurethan und magnetisch. Das Glas hält nämlich wegen eines in seinen Boden eingelassenen Magneten. Auch das ist eine Aufgabe bei Göckener: Das Magnet mit flüssigem Kunststoff in den Glasboden zu vergießen.

Vom Kühlkissen bis zum Glas, das quer an der Wand steht: Göckener produziert Alltagshelfer

Diese Gläser scheren sich nicht um die Schwerkraft oder Turbulenzen – dank des Materials in der Metalleiste und der Magnete im Glasboden. © maxglassX GmbH Silwy magnetic dr

Aus Kunststoff gibt es diese Gläser schon länger, neuerdings gibt es sie stilvoll von der Firma Silwy auch aus Glas. Das Unternehmen wurde dafür 2018 mit den „German Innovation Award“ ausgezeichnet. Airlines überlegen aktuell, ihre Business-Class mit hochwertigen Gläsern auszustatten und so gegen kippende Gläser bei leichten Turbulenzen gewappnet zu sein. Daneben sind Bootsbesitzer und Camper wichtige Abnehmer für diese Gläser, die magnetischen Untersetzer oder Metallleisten. Hier, wie auch bei den anderen Produkten, gilt: Göckener produziert, der Kunde vertreibt die Produkte, die jetzt Serienreife erlangt haben.

Für den neuen Stoff, aus dem viele neue Ideen erwachsen können, wurde im vergangenen Jahr noch einmal erweitert.

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Ein Blick in die Verpackung © Markus Gehring

Bereits im Mai 2015 hatte das Unternehmen eine Produktionslinie zur Herstellung von Polyurethan-Produkten übernommen und stellt seit November 2016 mit den entsprechenden, nach Ahaus verlagerten Maschinen auch aus „PU“ vieles her, was den Alltag leichter macht: Protektoren, Produkte zur Verhinderung des Wundliegens, Schuheinlagen, Produkte für die Druckindustrie oder sogar auch Hufeisen fürs Pferd. Ein weites Feld also, und mit „breit aufgestellt“ kennt sich das Unternehmen ja aus. Weil sich Engelbert und Moritz Göckener viel von dieser Sparte versprechen, wurde 2018 mehr Platz für die Produktion von PU-Produkten geschaffen.

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Das Unternehmen Göckener nach seiner Erweiterung 2018 aus der Vogelperspektive © Firma Göckener

Das Unternehmen investierte darüber hinaus allein 1,2 Millionen Euro in ein neues Hochregallager mit 2000 Palettenplätzen, in neue Sozialräume und den Umbau neuer Büroflächen. Das Unternehmen Göckener, dessen Jahresumsatz sich im Jahr 2018 bei fünf Millionen Euro bewegte, will weiter expandieren. Räumlich und personell, weitere Anlagenführer und Logistiker sollen eingestellt werden.

Auszeichnung

  • 3M Medica hat das Unternehmen Göckener im Oktober 2018 mit der Auszeichnung „ Supplier of the year“ ausgezeichnet. als bester Lieferant 2017 im Bereich Komplettanbieter Abfüllung und Verpackung. Von insgesamt 6700 Lieferanten wurden acht Lieferanten in acht verschiedenen Kategorien ausgezeichnet.
  • Nominiert und bewertet wurden hierbei strategische Erfüllungs- und Nachhaltigkeitsaspekte, gefolgt von Technologie, Qualität und Reaktionsfähigkeit sowie Liefer- und Kostenleistungsfaktoren.
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