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Fußballfans auf der ganzen Welt bewundern die beeindruckenden BVB-Choreos. Dafür muss die aktive Fanszene viel Zeit, Ideen und Geld investieren. Ein BVB-Fan deckt jetzt die Abläufe auf.

Dortmund

, 07.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Auffallend, mal leuchtend, mal rauchend, mal mit viel Bewegung. Groß, beeindruckend und mit einer eindeutigen Botschaft. So sind die Choreografien in den Bundesligastadien - auch in Dortmund. Meistens jedoch strahlen sie nur für wenige Minuten, bevor die Fans wieder hinter den Pappen, Folien, Plakaten und Fahnen auftauchen.

Doch in dieses kurze, eindrucksvolle Schauspiel steckt die aktive Fanszene viel Mühe, Zeit und Geld. Für die großen Choreos arbeiten oft hunderte Fans über Wochen an dem großen Banner, an tausenden Fahnen und Folien.

Choreos sollen möglichst auffällig und kreativ sein

Während die Schalker Ultras all die Materialien und Kosten online veröffentlichen, hält sich die aktive Fanszene vom BVB bedeckt. Nils, ein junger BVB-Fan, der mit der aktiven Fanszene zu tun hat, verrät trotzdem, wie eine BVB-Choreo entsteht. Nils möchte anonym bleiben und seinen wahren Namen nicht veröffentlichen.

Nils war schon häufig bei Choreografien auf der Südtribüne dabei und weiß, dass viel Aufwand hinter jeder einzelnen Choreo steckt: „Die Mitglieder der aktiven Fanszene gestalten die Choreos in ihrer Freizeit und entwickeln alles selber, von den Ideen über das Konzept bis zur Umsetzung.“ Für fast alle Ultras sei die Unterstützung des BVB eine Lebenseinstellung. Die Mission: ihren Klub möglichst auffällig und kreativ anzufeuern. Dafür wird alles genaustens geplant und organisiert.

Die Banner werden in großen Hallen erstellt

Ist eine Idee entstanden, wird das Banner zunächst am PC geplant und in einer kleinen Version erstellt. Die Beteiligten kaufen Materialien für die Banner, Doppelhalter und großen Choreographien im Baumarkt. „Die Plakate werden dann in großen Hallen, zum Beispiel Sporthallen bemalt“, erklärt Nils. Das Banner für die Gründerväter, das die Südtribüne am 21. Dezember 2013 beim Spiel gegen Berlin schmückte, sei zum Beispiel in der Westfalenhalle angefertigt worden.

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Die größten Fan-Choreos auf der Südtribüne von Borussia Dortmund

Die Dortmunder Ultra-Gruppen stecken viel Zeit und Geld in die Gestaltung von Choreografien. Vor allem zu besonderen Anlässen, wie der Verabschiedung von Klopp, zum Derby und zur Meisterschaft.
06.03.2019
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BVB-Fanchoreographie zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2011.© imago
„Zurück in der Königsklasse“: BVB Choreographie in der Champions League Saison 2011/12.© imago
Die BVB Choreographie aus dem Jahr 2013 ehrte die Gründerväter von Borussia Dortmund. Zu sehen war sie bei dem Spiel gegen Hertha BSC Berlin.© imago
Das Wunder von Dortmund begann schon vor dem Spiel. Beim Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel 2013 gegen Malaga hieß es „Auf den Spuren des verlorenen Henkelpotts“.© imago
BVB Choreographie beim Achtelfinale Rückspiel der Champions League 2014/15. Für die Choreo der BVB-Ultragruppe The Unity hatten sich die Fans schwarzgelbe Plastik-Overalls übergezogen. Auf dem Spruchband am Zaun war zu lesen: „Ricken ... lupfen jetzt ... jaaaaa“. Zudem gab es eine hochgezogene Blockfahne mit Karl-Heinz Riedle, Lars Ricken mit dem Champions League Pokal und Trainer Ottmar Hitzfeld, als Anspielung auf den BVB Champions League Triumph 1997.© imago
Diese Choreo gestaltete die BVB-Ultragruppe The Unity zum 41. Geburtstag des Westfalenstadions. Sie bestand aus drei großen Blockfahnen, die am Zaun hochgezogen wurden und Szenen aus den verschiedenen Bauabschnitten darstellen. Dazu gab es ein Spruchband am Zaun mit der Aufschrift: „Westfalenstadion“ und tausende schwarzgelbe Folienfahnen auf der Tribüne.© imago
Choreographie 2015 am 34. Spieltag zum Abschied von Jürgen Klopp.© imago
Pokalchoreo auf der Südtribüne 2016 zum Europa League Sechzehntelfinale. Zu sehen war eine Blockfahne mit den größten BVB-Triumphen in Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League. Zudem das Spruchband am Zaun: „Das Album vollenden - Ihr habt's in den Händen“ als Anspielung auf den fehlenden UEFA-Cup in der Vereinsgeschichte. Dieser kommt in der Choreo aus der Paninitüte heraus.© imago
Choreo zum Achtelfinale Rückspiel in der Saison 2016/17 gegen Benfica Lissabon. Die Choreo gestaltete die BVB-Ultragruppe The Unity in Gedenken an das Jahrhundertspiel des BVB gegen Benfica Lissabon 1963. Sie bestand aus schwarzen, gelben und goldenen Tifofolien, einem großen Wimpel als Spieltagswimpel, nachgemalten Ausschnitten der Berichterstattung nach dem Spiel und dem Spruchband: „Morgen schreiben die Gazetten wieder: Der BVB spielt Benfica nieder“.© imago
Zum Champions League Viertelfinale Hinspiel 2017 gegen Monaco trugen die Fans auf der Südtribüne schwarze und gelbe Ponchos und stellten so den Schriftzug BVB dar. Noch kurz zuvor ...© imago
... bestand die Choreografie aus schwarzen und gelben Stoffbahnen, die die Südtribüne bedeckten.© imago
Choreo zum Derby gegen Schalke in der Saison 2017/18. Die Choreo bestand aus schwarzgelben Stofffahnen in unterschiedlicher Größe, Wurfrollen und Konfetti. Dazu das „Borussia Dortmund" Banner am Zaun.© imago
Zum Abschied von Roman Weidenfeller gestaltete die BVB-Ultragruppe The Unity 2018 eine Abschiedschoreo. Zu sehen war eine Blockfahne mit einem jubelndem Roman Weidenfeller nach dem Derbysieg in Gelsenkirchen im Oktober 2013. Dazu der Spruch: „Danke Roman“.© imago

Sind alle Materialien beisammen, wird Farbe in Bierbecher gefüllt und mit Pinseln, Farbrollen und Sprühdosen gemalt, gesprüht, gebastelt und genäht. Die großen Banner werden in mehrere Quadranten unterteilt. Für jeden Quadranten gibt es eine PC-Vorlage, von der die Bilder - natürlich deutlich vergrößert - auf das Banner abgezeichnet und bemalt werden.

„Wie lange das Ganze dauert und wie viele Mitglieder bei der Gestaltung helfen, hängt von der Größe des Banners und der gesamten Choreo ab“, sagt Nils. Richtig große Choreos seien nur zu besonderen Anlässen möglich: „da steckt viel Aufwand, Ideenreichtum und Geld hinter.“

Wann beginnt die Vorbereitung im Stadion?

Ist für die Choreo alles fertig gestaltet, bringen Mitwirkende das gesamte Werk gemeinsam mit einem Sprinter zum Stadion. „Bei großen Choreos wird schon lange vor Spielbeginn alles ins Stadion gebracht und vorbereitet.“ Ab wann die aktive Fanszene zur Vorbereitung ins Stadion darf? Das sei abhängig von der geplanten Choreo, sagt der BVB auf Nachfrage unserer Redaktion. In der Regel direkt am Spieltag „und unter Begleitung durch Fanbeauftragte und zum Teil Ordnungsdienst.“

Das Banner muss zur Probe hochgezogen werden. Bei jeder einzelnen Pappe und Folie, bei den Schriftzügen und den Wappen muss geplant werden, wer sie wann hochhält. Die entsprechenden Pappen und Folien werden auf den Plätzen der Südtribüne verteilt, „manchmal werden auch die Eingänge mit Pappen in der entsprechenden Farbe abgeklebt und die Bereiche mit Flatterband abgetrennt, damit jeder Fan erkennen kann, welche Farbe er hochhalten muss.“ Hochgehalten werden alle Folien und Pappen auf ein bestimmtes Zeichen: „Wenn die Spieler einlaufen.“

Auch wenn die aktive Fanszene die Choreos unabhängig vom Verein gestalten, dürfen sie diese nicht ohne Absprache durchführen: „Jede Choreo muss vorher angemeldet werden und wird tatsächlich auch vorher angemeldet“, bestätigt der BVB.

Jede Choreo ist an strenge Auflagen geknüpft

Und auch mit dem Ordnungsdienst und Brandschutzmeister müssen sich die Fans absprechen. Denn: „Es müssen vielfältige Aspekte beachtet werden, weshalb auch Beteiligte aus vielen verschiedenen Bereichen bereits im Vorfeld eingebunden werden“, heißt es vom BVB. Jede Choreo ist an strenge Auflagen geknüpft. So dürfen große Fahnen zum Beispiel nicht leicht entflammbar sein.

Neben dem zeitlichen Aufwand muss die aktive Fanszene viel Geld für die Gestaltung der Choreos investieren. Banner müssen gekauft und bemalt, Doppelhalter gebaut und Hallen gemietet werden. So kann eine Choreo schon mal tausende Euro kosten.

Mitgliedsbeiträge fließen ausschließlich in Choreos

Wie all die Kosten getragen werden? „Hauptsächlich durch Spenden“, sagt Nils. „Zusätzliche Einnahmen hat das Bündnis Südtribüne noch durch die Mitglieder. Mitglieder können spezielle, selbst kreierte Fankleidung kaufen und müssen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von zehn Euro zahlen“, erzählt Nils. Diese Beiträge - sowohl die Mitgliedsbeiträge, als auch die Verkaufs-Einnahmen - fließen ausschließlich in die Finanzierung der Choreografien. Da das Bündnis Südtribüne Dortmund laut eigener Auskunft zurzeit 2992 Einzel- und Fanklubmitglieder hat, kommt dadurch schon viel Geld zusammen.

Geld direkt vom BVB würde die aktive Fanszene nie für eine Choreo annehmen. Sie wollen unabhängig vom Verein und von kommerziellen Sponsoren sein. So müssen die Fans und Gruppen der aktiven Fanszene für jede einzelne Choreo viel Aufwand, Zeit und Geld investieren. Doch das lohne sich auch für jede einzelne Choreo, findet Nils. „Die Choreos sind jedes Mal ein Highlight und Gänsehaut pur. Die ganz großen bleiben einem für immer in Erinnerung.“

Knapp 50.000 Euro für eine Choreo

  • Die Schalker Ultra-Gruppen veröffentlichen online alle Kosten, um transparente Einblicke zu ermöglichen. Im Dezember haben sie drei Choreografien für insgesamt 85.000 Euro entworfen. Eine davon für das Derby gegen den BVB. Dafür entstanden folgende Kosten:
  • 21.000x Wollmütze = 44.100,00€
  • 156m Nesselstoff = 753,72€
  • 70 Liter Farbe = 229,60€
  • Rollen, Pinsel etc. = 35,90€
  • 40x Panzerband = 104,30€
  • 257x Doppelseitiges Klebeband = 511,43€
  • 3.225m Polyesterstoff Blau = 1.257,75€
  • 3.200m Polyesterstoff Weiß = 1.248,00€
  • 300x Info Plakat = 40,00€
  • 25.000x Info Flyer = 250,41€
  • 40x Rauchpatrone = 200€
  • 40x Vorrichtung zum Rauch zünden = 327,50€
  • Insgesamt: 49.058,61


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