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Ali ist das, was man einen Vorzeige-Mitarbeiter nennt – fleißig, freundlich, zuverlässig, beliebt. Es gibt aber ein Problem: Er kann nicht bleiben.

11.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Ali Asjads Arbeitsplatz – alle seine Kollegen und auch die Chefs nennen ihn nur Ali – ist der große Wertstoffhof des Unternehmens Büscher in Heek. Seit einem Jahr ist der 41-Jährige dort als Platzwart beschäftigt, fährt Bagger, Gabelstapler, räumt auf. Er kam auf Empfehlung der Gemeinde – zuerst als Praktikant, dann als Angestellter. „Schauen Sie sich das an, hier ist immer alles blitzsauber dank Ali“, schwärmt Wolfgang Büscher. Und Bruder Hans-Jürgen ergänzt: „Man muss ihm gar nichts sagen, er sieht einfach, was zu tun ist.“

Beide Seiten sind bis heute froh, dass er hier ist. Ali, weil er eine Perspektive bekommen hat, die Büschers, weil er ein so wertvoller Mitarbeiter ist. Seit drei Jahren ist Ali Asjad in Deutschland. Geflüchtet aus Pakistan, einem Land, in dem er sich bedroht fühlt. Der Grund liegt offenbar in Streitigkeiten zweier feindlicher Clans, bei denen er in die Schusslinie geraten sei. „Ein Cousin wurde erschossen, auf mich wurde auch geschossen“, sagt er. Seine Frau und die drei Kinder seien geblieben, aber bei Verwandten in Sicherheit.

Hoffen auf eine Chance

Und dennoch hofft er für sich und seine Familie auf ein Leben in Sicherheit, hofft darauf, dass er in Deutschland bleiben kann und vielleicht sogar seine Familie hier eine Chance bekommt: „Es ist nicht gut alleine, aber das Leben, alle Leute hier sind gut.“ Die Aussichten sind zurzeit allerdings nicht besonders günstig. Bereits im September 2016 hatte er vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) einen negativen Bescheid erhalten. Pakistan steht nämlich aktuell auf der Liste der sicheren Herkunftsländer. Den Bescheid des Bamf hatte ganz frisch das Verwaltungsgericht Münster 29. August entschieden und Ali Asjads Klage abgewiesen.

Diese Entscheidung sei allerdings noch nicht rechtskräftig, erklärte Karl-Heinz Gördes, Pressesprecher des Kreises Borken, die Sachlage. Für die beiden Firmenchefs, die Brüder Wolfgang und Hans-Jürgen Büscher, formal nachvollziehbare Vorgänge: „Die Behörden sind ja auch ans Gesetz gebunden.“ Als Arbeitgeber und erst recht menschlich ist für sie der Vorgang aber kaum nachvollziehbar. „Wir suchen Leute und jetzt haben wir einen gefunden. Und der wird uns genommen.“

Voller Einsatz

Es sei seine besondere Freundlichkeit gewesen, durch die Ali Asjad sehr schnell aufgefallen sei. Nicht nur die Belegschaft schätzt den Kollegen, auch bei der Kundschaft ist er sehr beliebt. „Manche wollen sogar extra dann kommen, wenn Ali da ist“, sagt Wolfgang Büscher. Er sei mittlerweile „vollkommen angekommen“.

Sein Deutsch ist inzwischen sogar recht passabel, zudem hilft ein Lkw-Fahrer ihm freitags nach der Arbeit noch zusätzlich dabei, seinen Wortschatz zu erweitern. Außerdem liege ihr Mitarbeiter keinem auf der Tasche, bekomme den gleichen Lohn wie andere im Unternehmen und könne sich ganz alleine unterhalten.

Suche nach Optionen

Das alles hat die Büscher-Belegschaft und die Inhaber motiviert, sich für „ihren Ali“ einzusetzen. Nach wie vor hoffen sie, dass es doch noch klappen kann. Vielleicht auch über neue Möglichkeiten, die ein Zuwanderergesetz bietet.

Wie Wolfgang und Hans-Jürgen Büscher, aber auch Karl-Heinz Gördes vom Kreis Borken sagen, soll es demnächst noch ein Gespräch mit dem Betroffenen und den Unternehmern mit der Ausländerbehörde geben. Karl-Heinz Gördes: „Dann sollen auch Optionen auf den Tisch, was in dieser Situation noch möglich ist.“ Im Moment, so Gördes, sei jedenfalls noch kein Bescheid zur Ausreiseverpflichtung ergangen.

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