Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

„Hans Heiling“ ist ein Abgesang auf die Kohle

Aalto-Theater

Andreas Baesler lässt das Ruhrgebiet am Aalto-Theater mit dem selten gespielten „Hans Heiling“ von Marschner in nostalgischem Licht erstrahlen.

ESSEN

, 25.02.2018
 „Hans Heiling“ ist ein Abgesang auf die Kohle

Hans/Alfried (Heiko Trinsinger, sitzend) hat auch in der eigenen Welt nicht viel zu melden. Foto: Beu

Nein, der Komponist Heinrich Marschner hat nicht ans Ruhrgebiet gedacht, als er 1831/32 seinen „Hans Heiling“ komponierte. Und sein Librettist Eduard Devrient auch nicht. Beiden ging es einzig um die deutsch-böhmische Volkssage vom König der Erdgeister, der eine Menschenfrau liebt.

Regisseur Andreas Baesler und sein Team allerdings liefern mit ihrer am Samstag am Aalto-Theater herausgekommenen Inszenierung einen operalen Abgesang auf die Kohleförderung im Revier und identifizieren dabei den Titelhelden mit Alfried Krupp und Essen. Ihr Hans/Alfried regiert samt dominanter Mutter in einem Nachbau der Villa Hügel (Bühne: Harald B. Thor). Sein irdisches Domizil erinnert an den Krupp-Bungalow am Hügelpark.

Heilige Barbara

Die Mutter der von ihm begehrten Anna haust in einer engen, nostalgisch ausgestalteten Arbeiterwohnstube. Der Tag der Heiligen Barbara wird in der Waschkaue einer Zeche gefeiert.

Das Finale, bei dem auch das Bergwerksorchester Consolidation auftritt, gerät zum großen Bergbau-Showdown. Viele Requisiten sind original, Ruhrgebietsdeutsch sorgt in gesprochenen Dialogen und einer entsprechend umgedichteten Ballade für zusätzliches Lokalkolorit.

Durchweg spannend

Das alles hat seinen Reiz und ist in sich stimmig, macht jedoch nicht den in der Oper behandelten unüberbrückbaren Gegensatz von Geistern und Menschen, sondern den von Großbürgertum und Arbeiterschicht zum Thema.

Die Inszenierung ist durchweg spannend. Aber manchmal gibt es so viel zu gucken, dass Marschners raffinierte, entdeckenswerte Musik in den Hintergrund gerät. So wird die große Ouvertüre nach dem Vorspiel degradiert zum Soundtrack für einen Kohlefilm zwischen Werbeton („Kohle – weil’s vernünftig ist“) und Wehmut („Dankt König Kohle ab?“).

Rossini-Leichtigkeit

Marschner erinnert weniger an Wagner, als dessen Vorläufer er gilt, als an Mendelssohn, Rossini, in den Balladen auch an Offenbach. Anna hat er die schönsten Melodien gegeben – und Jessica Muirhead weiß das mit erfrischendem, aufblühend-strahlendem Sopran zu schätzen. Ein Highlight ist ihre lyrisch-leicht und schwebend gesungene Arie „Wie war so tiefer Friede mir im Herzen“ im zweiten Akt.

Hans Heiling ist mit Heiko Trinsinger zu alt besetzt, der gestandene Wagnerianer aber agiert stimmlich souverän und eindrucksvoll, auch als Sprecher. Sein irdischer Nebenbuhler Konrad zieht bei Jeffrey Dowd den Kürzeren: Einmal muss der Tenor vom Dirigenten gebremst werden, ein anderes Mal lässt er die Leichtigkeit des ihn begleitenden Orchesters vermissen.

Toller Opernchor

Rebecca Teem gibt eine dramatische Erdgeister-Königin, Bettina Ranch die Ruhrpott-Mutti von „datt Änneken“. Eine Klasse für sich sind der plastisch und klar klingende Opernchor und die flexiblen Essener Philharmoniker unter Frank Beermann. Bravo!

Termine: 28.2., 3./9./22.3., 29.4., 12./27.5., 22.6.; Karten: Tel. (0201) 8122200. www.theater-essen.de
Lesen Sie jetzt