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2010 nicht wieder einschlafen

ESSEN Das Ruhrgebiet war ein schlafender Riese, sagt Jörn Rüsen. Der Riese ist aufgewacht und hat gegähnt (das war die Bewerbung um die Kulturhauptstadt). Dann hat er sich gereckt und gestreckt (das war der Titelgewinn). "Sorgen wir dafür, dass sich der Riese jetzt nicht wieder hinlegt", appellierte der ehemalige Leiter des Kulturwissenschaftlichen Institutes.

von Von Bettina Jäger

, 12.12.2007

So heiter metaphorisch ging es zu, als gestern der "Pers-pektivplan II" für die Kulturmetropole Ruhr beim Regionalverband Ruhr (RVR) vorgestellt wurde. Perspektivplan? Das Unwort meint ein 570 Seiten dickes Buch, das die kulturelle Situation des Ruhrgebietes beschreibt und daraus Empfehlungen für das Kulturhauptstadtjahr 2010 ableitet.

Exakte Handlungsstrategien

Schon im Februar 2006 war der "Perspektivplan I" durch das Engagement von Hubert Schulte-Kemper, des Vorstandsvorsitzenden der Hypothekenbank Essen, entstanden. Das Geldinstitut hat gemeinsam mit der Commerzbank auch die Fortschreibung finanziert. Für beide Bände zeichnet Konrad Schilling  verantwortlich, der 80-jährige ehemalige Duisburger Kulturdezernent.

"Einen solchen Plan gibt es in Deutschland in keiner anderen Region", lobte Oliver Scheytt, Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH. Einmalig sei, wie das Buch aus einem Dialog mit mehreren 100 Fachleuten entstanden sei. Schilling sagte, der Plan gebe exakte Handlungsstrategien für 2010 vor.

Wie viel Arbeit bis dahin zu tun ist, macht der Beitrag von RVR-Referatsleiter Dieter Nellen deutlich. 22,9 Prozent der Deutschen nehmen das Ruhrgebiet zwar als Reiseziel wahr, aber nur 4,1 Prozent haben es schon einmal besucht.

Ruhrgebiet ohne klares Selbstbild

Was also tun in Sachen Marketing? Damit hat sich Hartmut H. Holzmüller (Foto) beschäftigt, Professor an der Uni Dortmund. Das Ruhrgebiet habe kein klares Selbstbild, kritisierte er: "Wenn Sie einen Kölner fragen, wofür Köln steht, plappert er los. Im Ruhrgebiet treffen Sie auf Verlegenheit." Wichtig sei, jeden Einzelnen zu überzeugen - nach dem Motto "Ich bin Kulturhauptstadt".

Interessant sind die Projektvorschläge fürs Hauptstadtjahr. Sie reichen von einem prominenten Stadtschreiber über ein "Haus der Migration" bis zu einer Ausstellung über Religionen der Welt. Der "Wissensgipfel 2010" soll in der Bochumer Jahrhunderthalle stattfinden. Jörn Rüsen regt an, Quartiere für Gastwissenschaftler einzurichten, ähnlich einem "olympischen Dorf".

Gleich das erste Kapitel widmet Konrad Schilling einer Medienschelte. Auf 28 Seiten wirft er den Ruhrgebietszeitungen eine Vernachlässigung des Themas Kultur vor. Bettina Jäger

 Der Perspektivplan II kann beim RVR (Essen, Kronprinzenstr. 35) oder bei der Ruhr.2010 (Essen, Brunnenstr. 8) abgeholt werden, solange der Vorrat reicht. Ab 20.12. im Internet unter www.essenhyp.de