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Grillo-Theater

Alte Dame verfolgt perfiden Racheplan

In dieser Spielzeit feiert das Essener Grillo-Theater seinen 125. Geburtstag. Deshalb konnten im vergangenen Herbst die Zuschauer aus fünf Stücken auswählen, mit welchem Werk die Jubiläumssaison eröffnet werden soll.

Alte Dame verfolgt perfiden Racheplan

Claire (Ines Krug) tauscht Erinnerungen mit ihrem ehemaligen Geliebten Alfred (Sven Seeburg) aus.

Das Rennen machte Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“. Am Freitag hatte nun die tragische Komödie aus den 1950er-Jahren Premiere und wurde mit viel Applaus gefeiert.

Endzeitstimmung

Ein Endzeitszenario hat Thilo Reuther auf die in den Publikumsraum verlängerte Bühne, einige Zuschauerreihen mussten hiefür weichen, gebaut: In einer abgewrackten Bahnhofspassage unter den Gleisen wuseln die Güllener im Obdachlosen-Outfit (Kostüme: Ines Burisch) im Müll zu düsteren Klängen von Hannes Strobl herum.

Die letzte Hoffnung der verarmten Gemeinde ist mit dem angekündigten Besuch der Milliardärin Claire Zachanassian verbunden. Als 17-jährige Schwangere musste sie ihre Heimat verlassen, da sich Alfred nicht zu seiner Vaterschaft bekennen wollte.

Lichtgestalt Claire

Regisseur Thomas Krupa lässt Claire als Lichtgestalt, Ines Krug ganz in Weiß, erscheinen. Doch die Erlösung hat einen Haken: Die schicke Dame spendet Güllen eine Milliarde unter der Bedingung, dass jemand Alfred tötet. Sie spricht von Gerechtigkeit und verfolgt in Dürrenmatts Gedankenspiel einen perfiden Racheplan.

In diesem moralischen Experiment setzt sie auf die Verführbarkeit der Menschen. So stecken Güllens Bürger bald in neuen Kleidern und konsumieren eifrig auf Kredit – von Krupa musicalmäßig choreografiert.

Ines Krug gibt eine wunderbar abgeklärte Rachegöttin ab, bekommt nur weichere Züge, wenn sie sich an ihre Jugendliebe Alfred erinnert. Sven Seeburgs Alfred beobachtet mit zunehmender Angst um sein Leben den Wandel seiner Mitmenschen und gesteht am Ende seine Schuld ein.

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