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Amerika braucht Realisten

BERLIN Er begann seine Karriere als Komödiant: Jamie Foxx. Dann aber engagierte ihn Oliver Stone für "An jedem verdammten Sonntag". 2005 erhielt Foxx den Oscar für seine Darstellung des Ray Charles. Filme wie "Stealth", "Collateral" und "Miami Vice" haben ihn auch als Actiondarsteller etabliert. Eine Rolle, die er in Peters Bergs Actionspektakel "Operation: Kingdom" weiter kultiviert. Christian Lukas unterhielt sich mit dem 39-jährigen Texaner.

von Von Christian Lukas

, 08.10.2007

 

"Operation: Kindgom" ist eine Mischung aus hartem Actionfilm und Politdrama. Was liegt Ihnen mehr? Die Action oder das Drama?

Foxx: Ganz klar die Action. Ich bin der Actionman (lacht).

Was bei einem umstrittenen Film wie "Operation: Kingdom" nach hinten losgehen kann. Es gibt ja Kritiker, die dem Film vorwerfen, die Situation im Nahen Osten zu vereinfachen.

Foxx: Bei einem Film wie diesem kommt es auf die Balance an. Einer Balance zwischen der Action und der Geschichte. Funktioniert die Geschichte nicht, funktioniert der Film nicht. Und der Film verherrlicht keine Gewalt, das möchte ich betonen. Denn er zeigt auf, dass sich mit Waffengewalt keine Konflikte lösen lassen.

Dafür wird allerdings recht viel Waffengewalt eingesetzt.

Foxx: Das ist richtig. Aber letztlich ist der Einsatz der Waffen ein Akt der Verzweiflung nach dem Versagen der Politik. Es ist doch ein Spiegel der Realität, wenn ein Film zeigt, wie Extremisten mit einfachen Parolen eine komplizierte Situation für sich ausnutzen, um daraus ihren Nutzen zu ziehen. Wobei man nicht vergessen darf, die Frage zu stellen: Warum ist eine Situation wie die im Nahen Osten eigentlich so kompliziert? Wer hat Schuld an dem, was dort geschieht? Um dieses Dilemma zu lösen, gibt es eigentlich nur einen Weg: Miteinander zu reden. Aber das will niemand, weil Reden bedeutet, sich mit den Positionen des Gegenübers auseinander zu setzen und vielleicht Zugeständnisse machen zu müssen. Also wird die Situation so lange vereinfacht, bis die einfachste Lösung die Gewalt zu sein scheint. Also wird Gewalt eingesetzt. Egal, von welcher Seite.

Sie sind ein politischer Mensch?

Foxx: Nennen Sie mich einen progressiven Demokraten.

Progressiven Demokraten?

Foxx: Nun, ich mache keinen Hehl daraus, welche Partei ich unterstütze. Und ich mag Barack Obama, er ist ein guter Mann und ich glaube, er gäbe auch einen anständigen, aufrechten Präsidenten ab. Aber er ist mir auch zu idealistisch. Wie auch Hillary Clinton. Diese Menschen haben Visionen, aber verkennen dabei oft die Realität.

Können Sie das ausführen?

Foxx: Ist es nicht eine Tragödie, dass die USA - und ich bin stolz auf mein Land und ich möchte nirgendwo anders leben -, dass es in diesem großartigen Land Menschen gibt, die von dem, was sie mit ihrer Arbeit verdienen, nicht mehr leben können? Das Fundament unserer Gesellschaft war immer die Mittelschicht. Gerade für uns schwarzen Amerikaner war es immer ein Traum, dieser Schicht anzugehören. Mit einem Häuschen in der Vorstadt, einem guten Job und guten Bildungschancen für unsere Kinder. Aber genau diese Mittelschicht wird aufgerieben. Die Lebenshaltungskosten steigen, Hypothekenbanken vergeben faule Kredite, Arbeitnehmerrechte werden beschnitten. Wir zerstören das Fundament, auf dem wir leben. Daher bräuchte unser Land einen Realisten an der Macht, jemand, der die Probleme angeht.

Sind andere Probleme gelöst, zum Beispiel Rassismus in Hollywood?

Foxx: Ja.

Wirklich?

Foxx (lacht): Wir kriegen Oscars, wir spielen Hauptrollen in Großproduktionen, die Geschichten unserer Helden werden verfilmt. Ich glaube, wir Schwarzen haben es geschafft.