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Aufstand für Robert Schumann

Philharmonie Essen

John Eliot Gardiner und das London Symphony Orchestra setzten sich in Essen leidenschaftlich für die unterschätzte Orchestermusik des deutschen Romantikers ein.

Essen

, 04.03.2018
Aufstand für Robert Schumann

Sir John Eliot Gardiner beim Konzert in der Essener Philharmonie Foto: Lorenz

In der Pause wurde der Großteil der Stühle von der Bühne der Essener Philharmonie geräumt. Denn das London Symphony Orchestra sollte die zweite Sinfonie von Schumann dort am Samstagabend im Stehen spielen, ausgenommen nur die Celli, Kontrabässe und der Paukist.

Dadurch waren die Geiger links und rechts nicht nur fast auf Augenhöhe mit dem Dirigenten John Eliot Gardiner, sondern es ergab sich für die Hörer im Saal auch ein ungewohnt offenes Klangbild. Das freilich lag auch daran, dass sich die Orchesterstärke mit nur knapp 60 Musikern an der Entstehungszeit orientierte, den „armen Schumann“, so der Brite eingangs, nicht – wie nach seinem Tode übliche Praxis – zum „spätromantischen Dinosaurier“ machte.

Spezi für alte Aufführungspraxis

Obwohl Gardiner, darin noch ganz der Spezi für alte Aufführungspraxis, den Streichern nur wenig Vibrato gestattete, gelang ihm eine leidenschaftlich-packende Interpretation der Schumann-Sinfonie. Der erste Satz gestaltete sich ungestüm und beeindruckte durch changierende Orchesterfarben.

Das Scherzo kam feurig daher – mit ätherischen Trio-Episoden. Poetischer Sehnsuchtston von Oboe und Klarinette über warmen Streichern im Adagio wich zuletzt lustvollem, federnd-virtuosem Spiel. Völlig unverständlich, wie man diesem Schumann mangelnde Orchestrierungskunst vorwerfen kann!

Emotionale Seelenmusik

Mit Herzblut hatte das London Symphony Orchestra zuvor schon die Ouvertüre des Komponisten zur Oper „Genoveva“ gespielt: als emotionale Seelenmusik, drängend und voll innerer Unruhe.

Ursprünglich sollte Maria Joao Pires das Programm mit Schumanns Klavierkonzert abrunden. Da die 73-jährige Portugiesin derzeit jedoch von der Konzertbühne abtritt, war Piotr Anderszewski im ersten Klavierkonzert von Beethoven zu hören.

Der bescheidene polnische Star machte das Werk durch feinen, nuancierten Anschlag zum Ereignis. Und immer war sein Spiel wunderbar in den Orchesterklang eingebunden. Ein weiteres Erlebnis!

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