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Ax ließ "Papillons" fliegen

DORTMUND Als Kammermusikpartner ist Emanuel Ax für große Musiker wie Yo-Yo Ma ein Geschenk, weil sich der Pianist so sensibel in Klangwelten einfühlt. Orchester wie die Berliner Philharmoniker schätzen den 58-jährigen New Yorker, weil er Teil des Orchesters wird und es nie dominiert. Die große Palette pianistischer Klangkultur von Emanuel Ax erlebt man aber nur in seinen Solo-Recitals - am Montag war dazu im Konzerthaus Dortmund eine eindrucksvolle Gelegenheit.

von Von Julia Gaß

, 22.01.2008
Ax ließ "Papillons"  fliegen

Emanuel Ax gastierte im Konzerthaus Dortmund.

Ein Meister pianistischer Klangkultur ist Ax, ein Feingeist an den Tasten, der Klänge zelebriert und - ähnlich wie Alfred Brendel - die Ästhetik und das Nachdenken über Musik in den Vordergrund stellt. Das begann mit der symmetrischen Anlage seines Programms: Eine frühe und mittlere Beethoven-Sonate rahmten die Humoreske und Papillons von Schumanns - vier Werke, die alle für außerordentlich große Stimmungsvielfalt stehen.

Der Amerikaner liebt Überraschungen

Zwischen den jungen, meist auf die Darstellung großer virtuoser Gesten bedachten Pianisten wirkt Ax wie ein Paradiesvogel. Der Amerikaner liebt die kleinen überraschenden Momente. Die Binnenkontraste stellte er in Beethovens 2. Sonate heraus, in der Waldstein-Sonate lichtete er dann Tastenstürme, legte den Kern der Musik, die er sich hier wie eine Raupe langsam entpuppen ließ, frei. Einen Beethoven auf dem Weg in die Romantik zeigte Ax mit seiner großen Anschlagskultur, voller Feingefühl und Klangästhetik - natürlich auch mit virtuoser Kraft, die bei ihm aber immer selbstverständlich und vornehm zurückhaltend klingt.

Das Publikum feierte ihn mit Ovationen

Ax ist ein Genießer, der jeden Ton zelebriert und dem Publikum, das ihn mit Ovationen feierte, Hochgenuss schenkt. - Auch in den Schumann-Werken, die unter seinen Händen charmant und abgeklärt klangen. Zum Mosaik von Gedanken machte er die Humoreske, aus deren brillanten Episoden viel philosophische Tiefe klang. Duftig, gefühlvoll und als Meisterstück von Klavierpoesie ließ er die Papillons fliegen. - In eine andere Klangwelt. In die Ax-Welt.