Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Schauspielhaus Bochum

Bei „The Humans“ gerät die ganze Bühne aus den Fugen

BOCHUM. Das große Schlussbild, bei dem im Schauspielhaus Bochum das Bühnenbild aus den Fugen gerät und das Gefühl von Angst und Verzweiflung ins Albtraumhafte überhöht, passt eigentlich nicht zum Rest der Inszenierung von „The Humans“. Regisseur Leonard Beck hat vielmehr ein Kammerspiel auf die große Bühne gestellt und auf Zwischentöne gesetzt.

Bei „The Humans“ gerät die ganze Bühne aus den Fugen

Mutter Deidre (Johanna Eiworth) leidet an Fressattakacken. Foto Küster Foto: Diana Küster

„The Humans“ von Stephen Karam, das hierzulande mit dem Untertitel „Eine amerikanische Familie“ versehen wird, hat es seit seiner Uraufführung 2014 zum Broadway-Erfolg und einer Nominierung für den Pulitzer-Preis gebracht. In Bochum läuft es als europäische Erstaufführung. Seine Grundsituation erinnert an den italienischen Kinofilm „Allen geht’s gut“, in dem Marcello Mastroianni als verwitweter Vater seine Kinder besucht, deren erfolgreiche Lebensberichte nur Fassade waren für das mit Sorgen behaftete Dasein normaler Durchschnittsbürger. In „The Humans“ kommt Familie Blake in der New Yorker Wohnung von Tochter Brigid zusammen – und spielt sich erstmal genau dieses Schauspiel vor.

Die Fassade ist dünn und brüchig

Die Fassade ist jedoch so dünn und brüchig wie die Wände der sanierungsbedürftigen Wohnung. Otto Kukla, der die Regie zum Stück dem Vernehmen nach wegen Unstimmigkeiten mit dem Ensemble an Leonard Beck abgegeben hat, hat diese Bleibe auf zwei Ebenen sehr realistisch umgesetzt.

Tragödie eines Landes

Beck setzt auch in der Schauspielerführung auf Realismus. Die Dramen der einzelnen Figuren sind klein und ergeben erst in der Summe die Tragödie eines zerrissenen Landes: Es berührt, wie Bernd Rademacher als Vater, der gerade seine Rente verloren hat, existenzielle Zukunftsangst mit Optimismus überspielen will. Wie Karolina Horsters Brigid trotz widriger Umstände an Künstlerträumen festhält. Wie Kristina Peters‘ Aimee einer schweren Krankheit ins Auge blickt und Nina Wurman die demente Großmutter als andere Kategorie Mensch gibt, die nur noch auf der Gefühlsebene auf das Leid ihrer Liebsten reagieren kann. Großer Applaus für ein großartiges Ensemble.

Karten gibt´s unter Tel. (0234) 3333-5555.

Anzeige
Anzeige