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Berlinale-Filme zeigen Suche nach Erlösung

Filmfestspiele in Berlin

Erlösung hat viele Gesichter: Die Berlinale stellt die Kinogänger mit Zwölf-Schritte-Programmen und vierstündigen Rock-Opern auf die Probe. Auch Joaquin Phoenix fremdelt mit dem Festival.

Berlin

, 20.02.2018
Berlinale-Filme zeigen Suche nach Erlösung

Joaquin Phoenix (links) spielt im Film „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“ den querschnittsgelähmten Zeichner John Callahan, der Alkoholprobleme hat. Hippie Donny (Jonah Hill) hilft ihm, abstinent zu werden. Foto: Amazon Content Services LLC

Es gibt diesen schönen Western-Cartoon des amerikanischen Zeichners John Callahan. Der zeigt einen verlassenen Rollstuhl in der Prärie und drei Sheriffs auf Pferden. „Macht euch keine Sorgen, zu Fuß kommt er nicht weit“, sagt einer zu den anderen.

„Don’t Worry, He Won’t Get Far On Foot“ ist nun auch der Film des Regisseurs Gus Van Sant betitelt, der Callahans dramatische Biografie nachverfolgt, dichterische Freiheiten inbegriffen.

Die Anonymen Alkoholiker helfen



Callahan, den Joaquin Phoenix spielt, war schwerer Trinker. Nach einem Autounfall landete er querschnittsgelähmt im Rollstuhl, haderte mit seinem Schicksal, fand aber schließlich Trost bei den Anonymen Alkoholikern und in hübsch-krakeligen Cartoons, die sich um politische Korrektheit herzlich wenig scherten.

Schade nur, dass Van Sant – der im Laufe seiner Karriere schon mit tollen Filmen wie „Good Will Hunting“ oder „Milk“ auf der Berlinale zu Gast war – so wenig vom anarchischen Geist Callahans einfängt, sondern stattdessen ein rührseliges Melodram nach der Philosophie des 12-Schritte-Programms der AA inszeniert.

Junkies und ein Diktator



Um einen Junkie, der die Erlösung im Gebet findet, ging es schon im französischen Beitrag „La Prière“ („Das Gebet“) von Cédric Kahn. Der junge Thomas (Anthony Bajon) kommt bei strengen Katholiken in den Bergen wieder auf den rechten Pfad, unter anderem nach einer Begegnung mit Hanna Schygulla als Nonne. Eher strapaziös.

Eine ganz neue Dimension gewann das Erlösungsmotiv allerdings im philippinischen Beitrag „In Zeiten des Teufels“ von Lav Diaz, dessen Filme gerne mal acht Stunden dauern. Diesmal sind es nur vier. In denen führt der Regisseur in die Zeit der Marcos-Diktatur zurück – mit langen, schweigsamen Einstellungen und krude eingestreuten Rock-Opera-Nummern.

Was das Schweigen für seine Arbeit bedeute, wurde unerklärlicherweise auch Joaquin Phoenix auf der Pressekonferenz gefragt. „Wow, coole Festivalfrage“, gab der um Freundlichkeit bemühte Star zurück. „Ich wünschte, ich hätte eine Antwort darauf“.

Ehrungen für zwei Filmchefs der Region bei der Berlinale



Der Verband der deutschen Filmkritik hat Valeska Grisebachs „Western“ zum besten Film des Jahres gewählt. Protagonist Meinhard Neumann gewann den Preis des besten Hauptdarstellers. Beste Darstellerinnen wurden Clara Schramm und Naomi Achternbusch („Blind & Hässlich“).

Den Ehrenpreis vergaben die Filmkritiker an den Leiter der Duisburger Filmwoche, Werner Ruzicka.

Marianne Menze, Leiterin der Essener Filmkunsttheater, bekam den Ehrenpreis der unabhängigen Filmverleiher.

Die Berlinale ehrte Schauspieler Willem Dafoe für sein Lebenswerk.

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