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Brücken und Brüche von Bach zum Weltklasse-Wagner

DORTMUND Das längste und ungewöhnlichste Konzert der Spielzeit im Dortmunder Konzerthaus hat Steven Sloane mit den Bochumer Symphonikern, dem Sinfonischen Chor und Kinderchor der Chorakademie Dortmund dem Publikum am Sonntag geschenkt.

von Von Julia Gaß

, 10.03.2008
Brücken und Brüche von Bach zum Weltklasse-Wagner

<p>Steven Sloane Foto Fein</p>

Länger als fünf Stunden dauerte die spannende Gegenüberstellung von Bachs Matthäuspassion und dem zweiten Akt aus Wagners Karfreitagsoper "Parsifal".

Ovationen ohne Ende

Es war ein Abend, der Erinnungen weckte an "Wallats Ring" der Dortmunder Philharmoniker - nicht nur, weil er auch Prominenz anlockte wie Bundestagspräsident Norbert Lammert. Auf gleichem Weltklasse-Niveau bewegte sich Sloanes mit nicht enden wollenden Ovationen gefeierter Parsifal-Akt. Die Symphoniker und ihr innovativer GMD hätten kaum nachdrücklicher betonen können, wie sehr das Orchester einen seinem hohen Niveau angemessenen Saal verdient und braucht.

Gemeinsamkeiten beider Werke wollte Sloane herausstellen. Der Text gibt diese mit dem Verrat von Judas und Kundry und mit dem Kreisen um Schuld, Sühne, Erlösung, Macht und Liebe vor. Musikalisch gibt es Brücken, die Sloane betonte, wenn er Klangfarbenwechsel herausstellte. In erster Linie lebte die Gegenüberstellung aber vom Kontrast und Bruch zwischen beiden Klangwelten sowie religiöser und mythologischer Symbolik.

Schlank im Ton, mit kleiner Besetzung und in gemäßigten Tempi ließ Sloane die Passion musizieren. Es war ein kontemplativer Blick auf das Kreuzigungsgeschehen, den auch der Chor und Marcel Beekmann als farbenreich gestaltender Evangelist mit nur punktuell aufblitzender Dramatik versahen. Etwas mehr Biss hätte die Passion vertragen können - Bachs dramatischere Johannespassion wäre vielleicht ein passenderer Rahmen für den Parsifal-Akt.

Brillantes Solistentrio

Mehr in ihrem Element waren die Symphoniker und Sloane bei Wagner. Und das Solistentrio hätte jeder Bayreuth-Aufführung zu großer Ehre gereicht. Doris Soffel sang die wilde Helferin der Gralsritter mit glühender Leidenschaft und viel Mut, Schmerz explosiv hinauszuschreien. Christian Franz war als emotionaler, stimmgewaltiger Parsifal eine Klasse für sich; magisch variantenreich im Ausdruck sang Jochen Schmeckenbecher den Zauberer Klingsor. Wogend, mit packender Dramatik, leuchtend und üppig im Klang spielte das Orchester. Auf Weltklasseniveau.