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Das Schwert im Filzpelz

KREFELD Gleich zwei Ausstellungen in Haus Lange und Haus Esters locken nach Krefeld. Nicht nur die deutsche Kunst der 80er Jahre ist den Besuch wert. Auch die beiden Mies van der Rohe-Villen lohnen die Fahrt.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 14.08.2007

 Haus Lange präsentiert Kunst der 80er Jahre. Haus Esters eine Klanginstallation der Britin Ceal Floyer. Die Museen residieren in zwei benachbarten Häusern, die Mies van der Rohe entworfen hat. Ende der 20er Jahre gebaut, atmen sie die nüchterne, klare Eleganz der Bauhaus-Schule.

Haus Lange zeigt Deutsches der 80er Jahre aus Krefelder Museums-Sammlungen: Skulpturen, Objekte, Malerei, Fotos. Die Summe der Dekade kann die Schau nicht bieten, allenfalls einen Querschnitt. Betitelt ist sie "Als wäre nichts gesagt", in Anlehnung an eine Arbeit von Harald Klingelhöller. Der ist vertreten mit einer Skulptur verklammerter Lettern aus Pappe. Ein A, ein I, ein T und ein E. Wie ein ein Magazin zur Wortproduktion.

Nebenan hängen Architekturskizzen von Thomas Schütte. Die Doppelskulptur "Mann im Matsch" und "Walze" liefert den Warnruf vor erschlagender Architektur: Ein Mensch versinkt vor einem Gebäude, im Innern der Walze liegen Norm-Männlein aus Sperrholz begraben.

Prominente Namen in Krefeld sind Joseph Beuys, oder Rosemarie Trockel. Beuys hat die abgebrochene Klinge eines Samurai-Schwertes in weiche Filzwolle gepackt. Eine griffige Friedensmetapher. Von Trockel ist ein wunderbar dekoratives Strickbild gehängt: Positiv und Negativ eines Rautenmusters. Hintersinnig Thierry de Cordiers Figur "Moi": Ein Bauch wie ein Wasserball, über dem ein Hemd spannt. Oben gucken Haare, unten Schuhe heraus. Sinnbild abgetauchter Ich-Bezogenheit: Bin mir selbst eine prallrunde Welt!

Ceal Floyers "Construction" im Haus Esters stellt einen Gipfel an Minimalismus dar. Nichts davon zu sehen. Aus Lautsprechern ist Hämmern, Klopfen, Schleifen zu hören. In kahlen Räumen hört man Handwerkerlärm vom Aufbau einer unsichtbaren Ausstellung. Ein Konzept, das sich vor van der Rohes Baukunst verbeugt.

Kunstmuseen Krefeld: "Als wäre nichts gesagt" bis 27.1., "Construction" bis 19.8., Wilhelmshofallee, di-so 11 bis 17 Uhr.