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David Bösch setzt Jakob Hein-Roman in Szene

Uraufführung

ESSEN „Das hätte ich nicht besser schreiben können, es war super.“ So lobte Jakob Hein die Adaption seines Romans „Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand“ von David Bösch.

von Von Britta Helmbold

, 19.04.2010
David Bösch setzt Jakob Hein-Roman in Szene

Matthias Eberle, Lukas Graser und Raiko Küster spielen den Sascha in »Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand«.

Und auch das Publikum bejubelte die Inszenierung bei der Uraufführung am Wochenende in der kleinen Spielstätte Casa des Essener Grillo-Theaters. Regisseur Bösch hat den Roman des Bestseller-Autors über das Erwachsenwerden, die pubertären Nöte und Verwirrungen in der DDR genial verdichtet und als Konzert in Szene gesetzt. Ich-Erzähler Sascha lässt er von Matthias Eberle, Lukas Graser und Raiko Küster spielen. Sie erzählen szenisch untermalt von den Schwierigkeiten, ein Mädchen ins Bett zu bekommen, haben es satt, immer nur als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen... – und sie singen von ihren Verliebtheiten und Herzschmerzen.

Punk ist Saschas favorisierte Musikrichtung – und die beherrschen auch die drei Schauspieler vorzüglich. Während alle ihr Gesangstalent unter Beweis stellen, dürfen sich Küster und Graser auch an Schlagzeug und Gitarre gekonnt austoben auf der Bühne, die Julia Scheurer, die auch die Kostüme entwarf, wie einen Probenkeller eingerichtet hat. Die verhasste Pop-Musik – zum Beispiel ein Modern Talking-Hit – wird mit Fistlerstimmchen vorgetragen. Doch für amüsante Unterhaltung sorgen vor allem die humorvoll treffenden Beschreibungen über Pein und Peinlichkeiten eines Pubertierenden von Hein. Man wollte cool sein, Pogo tanzen: „Wir hüpften und ruderten dazu mit den Armen.“ Die Erinnerungen setzen allerdings schon vor der Jugendzeit im Kindergarten an. Auch da ging‘s um Musik und Bewegung. Der „Bibabutzemann“-Tanz war natürlich nicht spontan, sondern musste sozialistisch korrekt ausgeführt werden. Die Wende, nun wird nicht mehr Vita-, sondern Coca-Cola getrunken, erlebt Sascha als doppelte Befreiung. Denn zu diesem Zeitpunkt hat endlich seine Dauerverliebtheit ein Ende.

Wie bei einem echten Konzert gibt’s eine Zugabe der Band und bei der Premiere auch eine von Hein. Als erprobter Poetry-Slammer sang er Gloria Gaynors „I will survive“ in deutscher Sprache und wollte es als mentales Karaoke verstanden wissen. „Die Musik müssen sie sich dazu denken.“ Stürmischer Applaus für einen kurzweiligen Theaterabend.