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"Deinem Bruder kannst Du alles sagen"

1999 debütierten die in Dortmund geborenen Zwillinge Dominik und Benjamin Reding (38) mit „Oi! Warning“ im Kino. Kai-Uwe Brinkmann sprach mit Benjamin über den neuen Film der Redings, „Für den unbekannten Hund“.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 05.12.2007
"Deinem Bruder kannst Du alles sagen"

Bei der Arbeit am Film: Dominik (r.) und Benjamin Reding.

Herr Reding, Ihr Film verbindet zwei Hauptmotive: Gewalt von Jugendlichen im deutschen Osten und Gesellen auf der Walz. Wie kam es zu dieser Kombination? Reding: Ostdeutsche Realität, junge Leute, die scheinbar völlig kalt zu Mördern werden, das ist ein packendes Thema. Was kann bei Tätern zur Selbstreflexion führen? Gefängnis, Psychiatrie, Boot Camp? Dann gibt es die Welt reisender Handwerker. Ein ehrliches, direktes Leben, das dich zwingt, sich mit dir selbst und anderen auseinander zu setzen. Dieses Milieu wird bei uns zu einer existenziellen Erfahrung für einen, der sich schuldig gemacht hat.

Wie haben Sie das Leben auf der Walz recherchiert? Reding: Seit 1993 haben wir Kontakt zu reisenden Gesellen. Von denen haben wir vieles mitgenommen. Das war ein Topf, randvoll mit Erfahrungen. Den brauchten wir nur zu öffnen. Am Set war immer ein Freireisender dabei, als lebender Infostand für Details.

  Was für Werte halten die Gesellen hoch? Reding: Brüderlichkeit, Ehrlichkeit, Direktheit. Reine Männergesellschaften werden schnell unerträglich. Also müssen die Gesellen Wege finden, drei Jahre zusammen zu bleiben, ohne sich an die Kehle zu gehen. Sie haben ein Instrumentarium der Offenheit, das Konflikte schon früh ausbremst.

Warum haben Sie Sascha Reimann alias Ferris MC besetzt? Reding: Schon als Rapper ist er spannend. Als Darsteller hat er beim Casting für unseren „Tatort“ starken Eindruck hinterlassen. Weil er viel von sich selbst gibt, keine Angst vor Peinlichkeit oder Hässlichkeit hat. Für eine kleine TV-Rolle viel zu schade, dachten wir und haben ihn uns vorgemerkt.

Wie funktioniert die Arbeitsteilung unter Brüdern? Reding: Ich komme von der Schauspielerei, kümmere mich um Casting und Vorproben, Locations oder Finanzierung. Dominik hat am Set die Optik im Auge, arbeitet eng mit der Kamera zusammen. Drehbuch, Dialoge, Storyboard entwickeln wir im Team.

Harmonische Zweisamkeit? Reding: Nicht immer. Das Schöne ist doch, dass man seinem Bruder klar die Meinung sagen kann, wenn eine Sache nicht funktioniert. Die Szene klappt nicht, raus damit! Mit einem Freund wäre man längst über Kreuz. Deinem Bruder kannst Du alles sagen. Wir kennen uns ja seit dem Mutterleib!