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Der Wind erzählt von Bärenkindern

von Von Sascha Westphal

, 05.03.2008
Der Wind erzählt von Bärenkindern

Die Kamera rückt dem Bären ziemlich auf den Pelz: Knut und sein Pfleger Thomas Dörflein kommen ab heute ins Kino.

Insofern kommt Michael Johnsons Dokumentation "Knut und seine Freunde" genau zum richtigen Zeitpunkt in die Kinos. Sie wird den Rummel noch einmal anheizen und dem Berliner Zoo vielleicht wieder einen Besucherzuwachs bescheren. Aber einem Vergleich mit Produktionen wie "Unsere Erde" hält Johnsons Doku nicht im Entferntesten stand.

Zwei weitere Geschichten

Im Zentrum des Films stehen Knut und dessen Betreuer, der Tierpfleger Thomas Dörflein, der für etwa acht Monate in die Rolle einer Ersatzmutter für den Eisbären geschlüpft ist. Aber Johnson hat in diese Erzählung, die Knut ganz und gar vermenschlicht und damit nur noch einmal wiederholt, was man schon in unzähligen Fernsehreportagen sehen und hören konnte, zwei weitere Bären-Geschichten hineingeschnitten. Die eine erzählt von einer Eisbären-Mutter und ihren drei Babys in der Arktis, die andere von zwei noch sehr jungen Braunbären, die nach dem Tod der Mutter alleine in den Wäldern Weißrusslands überleben müssen. Verbunden werden diese drei Geschichten durch einen Off-Kommentar, in dem der Wind zum Publikum im Kinosaal spricht. Doch die Bilder aus der Arktis und aus Weißrussland wirken genauso inszeniert wie die Aufnahmen von Knut.

Passend zu dem in seiner pseudopoetischen Naivität schon wieder komischen Kommentar setzt Johnson von Anfang an auf Identifikation. Der Betrachter soll in den niedlichen Bärenkindern möglichst sich selbst wieder erkennen. Aber diese falsche Nähe schließt jedes Verständnis für die Lebensumstände der Bären von vornherein aus. Da kann Johnson Knut am Ende noch so oft zum Botschafter der Tiere der Arktis ausrufen, sein Film schafft keinerlei Bewusstsein für die bedrohliche Situation, in der sich aufgrund von Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung unzählige Tierarten befinden.