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Der "andere" Renoir

WUPPERTAL Eine Terrasse am Ufer der Seine. Die Blicke einer jungen Frau und eines Mädchens schweifen melancholisch in die Ferne. „Zwei Schwestern“ gilt als Renoirs Meisterwerk und ist eines der letzten Gemälde vor einer künstlerischen Wende im Leben des Malers.

von Von Nadja Schöler

, 25.10.2007
Der "andere" Renoir

"Zwei Schwestern" von 1881 ist ein Werk aus Renoirs Ziet vor der Schaffenskrise.

Für die Renoir-Ausstellung hat das Von der Heydt-Museum sämtliche Wände in ein dunkles Rot getaucht. Die Schau „Renoir und die Landschaften des Impressionismus“ setzt in einer Zeit an, zu der die heute repräsentativsten, impressionistischen Arbeiten des französischen Malers schon fertiggestellt waren. Kurz nachdem er das berühmte Bild „Zwei Schwestern“ gemalt hatte, fiel Renoir in eine tiefe Schaffenskrise.

Evolution der Malerei

Öffentlich kaum wahrgenommen, versuchte er sich in neuen Malstilen, wollte weg vom Impressionismus. Erst in den 1890er Jahren fand er neue stilistische Ansätze. Dieser neue Abschnitt bildet den Schwerpunkt der Wuppertaler Ausstellung. Die Werke stellen den „anderen“ Renoir dar, der sich von der Figurenmalerei entfernte und der Abstraktion zuwandte. Charakteristisch dafür sind seine Landschaften. „Renoir kannte neue Bewegungen wie ,Brücke‘ oder ,Blaue Reiter‘. Er wollte sich aber nicht anschließen. Er war eher Evolutionär als Revolutionär“, erklärt Museumsdirektor Gerhard Finckh. Oft fehlte nur sehr wenig bis zur völligen Abstraktion, doch Renoir sah sein Schaffen als Weiterentwicklung. Sein eher unbekanntes Spätwerk macht etwa die Hälfte seiner insgesamt 4000 Arbeiten aus. „In ihnen präsentiert sich die Summe eines Lebens am besten“, so Finckh.

Mühsame Suche

Die 50 Exponate Renoirs sind umgeben von ebenso vielen Werken seiner Anreger, Freunde und Vorbilder, farblich getrennt durch ein dunkleres Rot der Wände. Den Ausgangspunkt der Ausstellung bildet die Bewegung, die auch Ausgangspunkt für Renoirs Landschaften waren: die „Schule von Barbizon“. Von deren Vertretern wie Courbet übernahm Renoirunter anderem die gröbere Spachteltechnik seiner Spätwerke. Der Besucher begeht mit jedem Raum eine Entwicklungsstufe des Malers, umgeben von zeitgleich entstandenen impressionistischen Werken seiner Zeitgenossen wie Matisse, Cézanne oder Maillol. So lässt sich seine mühsame Suche nach einem neuen Stil aus der Zeit seiner Schaffenskrise vergleichen mit den ausgereiften Techniken seiner Vorbilder.

Erst spät anerkannt

„Seestück Guernsey“ (1883) dokumentiert seinen angestrengten Versuch, bewegtes Wasser darzustellen, daneben Monets „Blicke auf das Meer“, auf dem das Wasser Wellen zu schlagen scheint. Die Ausstellung zeigt nicht ausschließlich Landschaften. Typisch impressionistische Werke wie „Zwei Schwestern“ oder „Blühender Kastanienbaum“ leiten zu den späten Arbeiten hin. Ein Raum zeigt „Renoirs Figuren in der Landschaft“. Im letzten Bereich der Ausstellung wird der Stil der letzten Schaffensphase desKünstlers deutlich. Hier lassen sich Grenzen zwischen einzelnen Landschaftselementen wie Büschen und Bäumen kaum erkennen. Die Landschaftsdarstellungen sind zwar weitaus weniger bekannt als seine impressionistischen Arbeiten, doch wurde Renoir erst ab den 1890er Jahren allmählich anerkannt und gefördert. Es war auch die Zeit, in der Renoir plötzlich erkrankte. Er litt an schwerer Gicht und Rheumatismus, ließ sich aufgrund des milderen Klimas im Süden Frankreichs nieder. Die Exponate sind Leihgaben des New Yorker Metropolitan-Museums, des National-Museums in Warschau und des Folkwang Museums Essen.    Von der Heydt-Museum Wuppertal: „Renoir und die Landschaft des Impressionismus“, Turmstraße 8, bis 27.01.08, Di-So, 11-18 Uhr, Do 11-20 Uhr.

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