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Despotischer Kunstfigur wird der Prozess gemacht

Theaterstück "Ubu"

ESSEN Ubu nimmt sich die Macht und mordet nach Lust und Laune. Diese fiktive Figur aus Alfred Jarrys "König Ubu" stellt der britische Dramatiker im zweiten Teil des Theaterabends "Ubu" vor einen internationalen Gerichtshof. Regisseur Sebastian Nübling hat das surrealistische Drama als Koproduktion mit der Toneelgroep Amsterdam im Essener Grillo Theater inszeniert.

von Von Britta Helmbold

, 21.04.2010
Despotischer Kunstfigur wird der Prozess gemacht

Nicola Mastrobererdino als König Ubu.

Und das deutsch-niederländische Ensemble spielt auf deutsch, niederländisch, englisch - und in der Kunstsprache Ubus. Kafkaesk mutet das fast wortlose Treiben in der Szenerie einer Plakatmalerwerkstatt an (Bühne und Kostüme: Muriel Gerstner). Die Angestellten planen den Aufstand und das willkürliche Morden beginnt. Die mit Papier bespannten Bilderrahmen werden dem Adel über den Kopf geschlagen - und Werner Strenger geht als solcher oft zu Boden. In der schrillen Spaß-Revolution mit dem babylonischen Sprachenmix lässt Nübling das Ensemble mit vielen Gags ausgelassen agieren - einschließlich Farbenschlacht.

Die Stimmung schwenkt komplett um, wenn das Tribunal startet. Es geht um Verbrechen gegen die Menschlichkeit, es geht um Recht und Gerechtigkeit. Etwas langatmig mutet die Verlesung der Anklageschrift an. Dann steht die Zeugenvernehmung auf dem Programm - und der erste Teil des Theaterabends wird als Erinnerungen der Beteiligten erzählt.

Am Ende ist aus dem quirligen Tyrann Ubu ein apathisch Verwirrter geworden. Auf der leeren Bühne allein zurück bleibt Nicola Mastroberardino als König Ubu, der im Laufe der über zweistündigen Inszenierung zunehmend an Michael Jackson erinnert - mit Rockstar-Posen, Brille und vor dem Tribunal mit einer zirkusmäßigen Fantasieuniform ausgestattet. Zum anerkennenden Schlussapplaus bei der Premiere am Wochenende kam auch Autor Stephens auf die Bühne.

  • Termine: 22./23.4., 10./23.5.; Karten: Tel. (0201) 8 12 22 0
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