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Die AC/DC des Jazz

BOCHUM Einen der ersten Echos, die im Bereich Jazz vergeben werden, erhält das Tingvall Trio am 5. Mai in der Bochumer Jahrhunderthalle. Mit Max Florian Kühlem sprach der in Hamburg lebenden schwedische Pianist Martin Tingvall über seinen ungeraden Weg zum Erfolg.

von Von Max Floran Kühlem

, 15.04.2010
Die AC/DC des Jazz

Martin Tingvall bekommt am 5. Mai den Jazz-Echo.

Ja, meine absolut erste Band hatte ich aber schon mit elf Jahren: Wir haben schwedische Tanzmusik gespielt und ich stand am Keyboard. Jazz fand ich anfangs anstrengend: So viele Töne, wo ist die Melodie?

Mein Gymnasium hatte einen Musik-Schwerpunkt, ich spielte im Jazz-Ensemble. Der Lehrer brachte mir jeden Tag eine andere Jazzplatte mit und bei "The Real McCoy" von McCoy Tyner war's um mich geschehen. Dabei entdeckte ich dann die selbe Energie wie bei AC/DC. Dann habe ich Coltrane gehört und Miles Davis, später war ich zwei Jahre im Musik-Internat in Südschweden.

Meine Einstellung ist: Wenn man anfängt, zu denken, hat man schon verloren. Wir wollten einfach Spaß haben am Spiel, wollten diese Energie erreichen. In Hamburg gaben wir viele Konzerte in einer kleinen Hafenkneipe, da haben 16-jährige Punker vor Freude geschrieen. Dass wir jetzt den Echo kriegen, ist unfassbar toll. Ich habe es wohl immer noch nicht wirklich realisiert.

Man macht sich oft zu viele Grenzen. Wenn ich eine starke Melodie schreibe, dann kann man sie zum Pop- oder Rock-Song, zu Jazz oder sogar einer Opernarie verarbeiten. Man darf nicht vergessen: Lindenberg war früher Jazz-Schlagzeuger und seine Musik ist manchmal gar nicht so einfach. Und auch die Musik des Tingvall Trios könnte man als "kommerziell" beschreiben.

Man muss dagegen arbeiten, dass Jazz als alt, staubig und verbraucht angesehen wird. Wir versuchen, Jazz zu machen für 2010 - mit modernem Groove und ein bisschen Rock'n'Roll. Zum Komponieren ziehe ich mich meist ins ländliche Südschweden zurück. Deswegen ist unsere Klangfarbe zwar international, aber eher europäisch. Nordischer Jazz mit kubanischem Einschlag könnte man sagen.

Es ist eine große Tragödie, dass er gestorben ist! Erst nach seinem Tod habe ich mir alle Platten gekauft. Was man vergleichen kann, sind die Energie und die bemerkenswerte Einheit, die das Trio erreicht hat.