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Die Braut, die sich was traut

DORTMUND Marie liebt Hans, verkauft wird sie als Braut aber an Wenzel. Heiraten darf sie schließlich doch Hans. - Oder doch nicht?

von Von Julia Gaß

, 16.12.2007
Die Braut, die sich was traut

Peggy Steiner sagt als Marie ihrem Bräutigam Hans (Timothy Richards), wo's lang geht.

Die Dortmunder Opernintendantin Christine Mielitz blickt in ihrer Inszenierung von Smetanas tschechischer Nationaloper "Die verkaufte Braut" hinter die Kulissen der Dorfidylle, spürt Risse in der Idylle und in Familien auf, hinterfragt klug Schein und Sein des Dorflebens, der Traditionen und der Liebe. Tragik stellt sie in der Komödie heraus und zeigt Wege in die Freiheit aus der Enge der Heimat.

Munter volkstümliche Inszenierung

Premiere feierte die tiefgründige, sehr schöne und auch munter volkstümliche Inszenierung am Samstag im Dortmunder Opernhaus. - Mit zum großen Teil glänzenden Solisten und den Dortmunder Philharmonikern, die böhmische Musizierlust aus dem Graben klingen lassen.

Als Gastdirigent stand Simon Rekers, von 1999 bis 2003 2. Kapellmeister am Schillertheater Wuppertal/Gelsenkirchen und nun 2. Kapellmeister am Theater Kiel, am Pult. Wenn dies ein Vordirigieren für die in Dortmund vakant werdende 2. Kapellmeisterstelle war, kein schlechter Einstand.

Vision von Freiheit

In einer Kulisse aus schnell (und oft) bewegten, windschiefen Dorfhäuschen (Bühne: Christian Rinke) zeigt Mielitz die Enge, die Heimat haben kann. Wenn sich die meist türkisfarbene Bühne öffnet, entsteht viel Raum für Visionen von Freiheit, für Vorstellungen vom Leben hinter Dorfgrenzen. Tatjana Ivschina hat dazu Kostüme entworfen, die mit Trachten in verschiedenen Ästhetiken ebenfalls sehr schön Tradition von Aufbruch abgrenzen.

Peggy Steiner ist eine großartige Marie, eine temperamentvolle Braut, die sich traut zu rebellieren - mit bauernschlauem Charme und großer Stimme, die leuchtend in der Freude klingt und anrührend in den zarten Momenten. Wenn sie ihren Mann nach der Tenorstimme gewählt hätte, hätte sie sich für Wenzel entscheiden müssen. Tansel Akzeybek singt den Stotterer mit fabelhafter Leichtigkeit, zeigt ihn nicht als Tölpel, sondern als Übertölpelten - wunderbar.

Bart Driessen glänzt als Heiratsvermittler

Timothy Richards hat Mühe, den Wechsel ins jugendliche Heldenfach zu meistern. Zu lyrisch und kraftlos war er manchmal als MöchtegernMacho. Bassist Bart Driessen hat als Heiratsvermittler wieder eine Paraderolle als Drahtzieher, in der komödiantisch und stimmlich glänzen kann. Wie Hannes Brock als Comedia dell'Arte-Direktor der Zirkuswandertruppe.

Das Artistenvölkchen bringt im 3. Akt mit Jongleuren, Feuerspuckern, Stelzenläufer und Wenzel im Bärenkostüm buntes Leben und viele Gags auf die Bühne. Das ist die Operetteneinlage in der sonst eher tragischen Volksoper. - Sehenswert und vergnüglich.

Termine: 28.12., 11. und 26.1. Karten: Tel. (0231) 50-272 22.