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Die Endzeit-Quatschmacher

DORTMUND Für die Komik gibt's das Lachen, für die Trauer das Weinen. Aber welche Ausdrucksform hat Staunen? Wir halten den Atem an, beugen uns in den Sitzen vor, wollen den Augenblick anhalten, der viel zu schnell vorbei geht - so ist das bei "Slava's Snowshow".

von Von Katrin Pinetzki

, 29.10.2007
Die Endzeit-Quatschmacher

Slava Polunin in Brighton, wo er zurzeit gastiert.

"Slava's Snowshow" ist ein Clowntheater, das am 18. Dezember Deutschland-Premiere im Dortmunder Konzerthaus feiert. Slava Polunin ist ein russischer Clown und in seiner Heimat so berühmt, dass er nicht unerkannt über die Straße gehen kann. Auch ohne Perücke trägt er die typische Clownsfrisur: Stirnglatze, weiß-grau gewellte Haare. Lachfalten ziehen sich wie Sonnenstrahlen seine Schläfen hoch. Mit der Snowshow begeistert er seit 14 Jahren Zuschauer von Brasilien über die USA bis China. Nur in Deutschland war die zehnköpfige Truppe noch nie.

Physische Gefangenschaft

Die Schnee-Show ist eine Show, die ihren Namen (gottseidank) nicht verdient: Statt technischer Finessen stehen klassische Clowns-Qualitäten im Vordergrund. Pantomime, Musik, einfachste Kulissen und Requisiten verbinden sich zu einem Abend, der an Endzeit-Szenen und die Vergeblichkeit aus einem Beckett-Abend ebenso erinnert wie an die unbeschwerten Zirkus-Quatschmacher aus der Kindheit. Für einen Lacher, für große Augen reicht es völlig, wenn Slava in der Rolle als melancholischer gelber Clown spöttisch die Augenbraue hochzieht, wenn er auf seiner roten Clownsnase eine kleine, von der Decke baumelnde Weltkugel balanciert wie ein Delphin, wenn er in seinem weiten gelben Anzug an der Stelle steht und auf unerklärliche Weise schrumpft und wieder wächst, wenn er sich zunächst mit der Hand, dann mit dem ganzen Körper hoffnungslos in einem feinen Spinnennetz verfängt, das plötzlich übers Publikum wandert und es nun auch physisch gefangen nimmt.

Jedes Publikum ist anders

In dutzenden Miniaturen, die keinem Erzählstrang folgen, spielt Slava Polunin mit den Erwartungen, ver-rückt die eigene Wahrnehmung mit überdimensionalen Telefonhörern, winzigen Häusern und schräg stehenden Möbeln. Die Show macht erwachsene Zuschauer zu Kindern; am Ende, lange nach dem Schluss-Applaus, spielen sie noch lange mit riesigen bunten Ballons und Schnee-Konfetti, das den Boden dick bedeckt. "Jede Show ist anders, die Briten sind ein ganz anderes Publikum als Russen oder Spanier. Wir reagieren darauf spontan", sagt Polunin. Und die Deutschen? "Mal sehen!", sagt Polunin. Und lächelt.

 

Slava's Snowshow, 18.12.-6.1., Konzerthaus Dortmund, Brückstr. 21, Tickets 18-68 , Tel. 0231/22696200