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Die Hure im Lumpenhaufen

DUISBURG Eines ist sicher: Mit Veronica Ferres wäre die Duisburger Gebläsehalle bei der "Courasche"-Uraufführung ausverkauft gewesen.

von Von Karsten Mark

, 03.10.2007
Die Hure im Lumpenhaufen

Daniel Rohr, Julischka Eichel und Anna Franziska Srna (v.l.) spielen in "Courasche oder Gott lass nach" von Wilhelm Genazino nach Grimmelshausen für die RuhrTriennale in der Duisburger Gebläsehalle.

Wilhelm Genazinos "Courasche oder Gott lass nach" ist ein Jahr nach der geplanten Uraufführung und der Absage von Ferres, die sich in der Rolle der Soldatenhure um ihr Image sorgte, endlich auf die Bühne der RuhrTriennale gekommen - mit drei hervorragenden Schauspielerinnen.

Julischka Eichel, Barbara Nüsse und Anna Franziska Srna schlüpfen in die Rolle der Courasche. Büchner-Preisträger Genazino hat sich bei seiner dreiteiligen Kreation auf die 1670 erschienene Urfassung von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen gestützt, weniger auf Brechts berühmte Dramenfassung.

Einfache Sorgen

Genazinos holt die Marketenderin und Hure des Dreißigjährigen Kriegs in die Gegenwart, um sie dann wieder in die Vergangenheit zu rücken. Im ersten Teil steht die Hure unserer Zeit auf der Bühne - eine einfache Frau mit einfachen Sorgen und Weisheiten: "Zu Männern mit Strickwesten und großen Unterhosen kann man Vertrauen haben."

Genazino spielt ganz unverhohlen mit Geschlechterklischees und verschafft sich damit einen gewissen Vorrat an Komik, um die bitterste, die mittlere Episode, zu bewältigen.

Die Courasche als Flüchtling am Ende des Zweiten Weltkriegs, von den Russen vergewaltigt, das Kind verloren, selber beinahe verhungert, prostituiert sich für ein Stück hartes Brot. Dort macht das Bühnenbild von Andrea Uhmann Sinn: Das Stück spielt auf einem Haufen Lumpen.

Regisseurin Stephanie Mohr inszeniert puristisch auf den Dialog hin. Es funktioniert, weil die Darstellerinnen und Daniel Rohr in den Männerrollen starke Schauspieler sind. Die Live-Videoprojektion an der Decke wäre hingegen verzichtbar.

Der hörenswerte Männerchor aus Wien dient der Auflockerung. Die kann das Stück vertragen, vor allem die mittlere Episode ist ein wenig lang geraten.

Sprache kein Skandal

Mit einem Schlussakt im 19. Jahrhundert und der Courage als sexuell ausgebeutetes Dienstmädchen zeigen Autor und Regie, dass sie es auch besser auf den Punkt bringen können.

Wenn Ferres die "ordinärer Sprache" moniert, lässt sich die nicht von der Hand weisen. Für einen Skandal reicht das aber sicher nicht.  

Termine: 5., 6., 8., 9. und 10. Oktober, jeweils 20 Uhr. Karten: 070 020 02 34 56.

www.ruhrtriennale.de