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Die Welt in 1:30

DÜSSELDORF Mit einer guten Nachricht - ganz in isländischer Tradition - endet die zweistündige Performance "Breaking News - Ein Tagesschauspiel". Bis dahin prasselt eine wenig erhellende Bilderflut aus internationalen Nachrichtensendungen auf das Premieren-Publikum im Düsseldorfer Schauspielhaus nieder.

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Die Welt in 1:30

<p>Experten des Nachrichten-Alltags: Walter van Rossum, Simon Birgisson und Martina Englert. Foto Hesse</p>

Den Informationsüberfluss im Fernsehen thematisieren Helgard Haug und Daniel Wetzel vom Künstlerkollektiv Rimini Protokoll in ihrem neuen Projekt, einer Koproduktion mit Hebbel am Ufer (Berlin), schauspielfrankfurt, Wiener Festwochen und schauspielhannover. Die Gruppe hat eine neue, inzwischen mehrfach ausgezeichnete Form des Dokumentar-Theaters entwickelt, auch den Mülheimer Dramatikerpreis hatte sie 2007 erhalten. Rimini Protokoll arbeitet nicht mit Schauspielern, sondern lässt "Experten des Alltags" auftreten.

Diesmal sind Journalisten, Übersetzer und Dolmetscher sowie eine Cutterin auf der Bühne versammelt. Zu Beginn präsentieren sich die Mitspieler vor Fotowänden eines Gebäudekomplexes mit zahlreichen Satellitenschüsseln, dann werden die Stellwände gedreht und eine Weltkarte erscheint. Die Spannung steigt, denn um 20 Uhr beginnt die Live-Schaltung zu den Nachrichtensendungen aus aller Welt.

Wie in der realen Nachrichtenwelt

Die Moderation hat ein AFP-Journalist übernommen, der mit einer Trompete den Startschuss gibt. Nun werden die Experten zu den Korrespondenten ihrer Sender, berichten die Top-Meldungen, kommentieren das Geschehen, erläutern den Sprachgebrauch und warum was ausgewählt wurde. Die Analyse bleibt knapp, denn der Moderator dieser theatralen Konferenzschaltung lässt ihnen meist nur "1,30" Minunten - wie in der realen Nachrichtenwelt.

Es ist ein Informations-Rausch, der kaum Erkenntnisse bringt. Zum Stichwort "alle Bilder laufen" flimmert es auf den vielen Fernsehern und ein Übersetzungsgemurmel wird hörbar. Unterlegt ist dieser Geräuschteppich mit einer Lesung aus Aischylos? Drama "Die Perser", einer Art Nachrichtensendung der Antike.

In kleinen Einschüben versuchen die Experten, Einblicke in die Welt der Nachrichtenproduktion zu geben, von denen man sich mehr gewünscht hätte. So bleibt es eine Häppchen-Performance. Interessant ist das Projekt trotzdem, denn jede Aufführung wird anders sein - je nach Nachrichtenlage auf den politischen Weltbühnen.

Im April sind weitere Aufführungen in Düsseldorf geplant.

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