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Ruhr-Triennale

Die neue Intendantin Stefanie Carp ist neugierig auf die Region

BOCHUM Fünf Männer haben die Ruhrtriennale geleitet. Nun kommt eine erstklassige weibliche Besetzung: Stefanie Carp ist von 2018 bis 2020 Intendantin.

Die neue Intendantin Stefanie Carp ist neugierig auf die Region

Stefanie Carp leitet die Ruhrtriennale gemeinsam mit dem Schweizer Regisseur Christoph Marthaler.Foto: Szekely/Ruhrtriennale

Stefanie Carp ist nach fünf Männern die erste Intendantin der Ruhrtriennale. Ihre Kollegin Marie Zimmermann, die in der Nachfolge des Gründers Gerard Mortier und dessen Nachfolger Jürgen Flimm nominiert war, starb vor der mit ihr geplanten Triennale 2007.


Eine Theatermacherin voller Leidenschaft


Stefanie Carp ist eine intellektuelle Frau des europäischen Theaters – voller Profession und Leidenschaft und mit einem ausgezeichneten globalen Netzwerk.

Die 1956 in Hamburg geborene Carp hat in Berlin über den deutschen Filmemacher Alexander Kluge promoviert und dann an den wichtigsten deutschsprachigen Theatern (Düsseldorf, Basel, Hamburg, Zürich, Berlin) als leitende Dramaturgin gearbeitet. Seit ihrer Zeit bei den Wiener Festwochen als Schauspielchefin von 2008 bis 2013 sind ihr die Abläufe eines Festivals bestens vertraut.


Enge Zusammenarbeit mit Regisseur Christoph Marthaler


Fragen und Figuren des zeitgenössischen Theaters bestimmen ihre Publikationen. Die engste und längste Zusammenarbeit verbindet sie mit dem Schweizer Regisseur Christoph Marthaler. Beide leiteten von 2000 bis 2004 das Schauspielhaus Zürich, verließen es trotz künstlerischer Erfolge wegen politischer Konflikte früher als nötig und setzten ihre Arbeit an renommierten Häusern fort.

Als sachkundiger Gast war Stefanie Carp früh bei der Ruhrtriennale dabei: „Ich habe seit 2002, als Gerard Mortier Intendant der Ruhrtriennale war, zahlreiche Aufführungen besucht.“ Rhein-Ruhr kennt sie zudem aus ihrer frühen Zeit am Düsseldorfer Schauspielhaus. Und ihr älterer Bruder Peter Carp leitete bis zum Ende der Saison 2016/17 das Theater Oberhausen und war Anlaufstelle für gemeinsame Kunstexpeditionen in der Region.


Rückkehr ins Ruhrgebiet


Die ersten öffentlichen Auftritte der neuen Intendantin wirken kompetent und authentisch – die neue Chefin bekommt viel persönliche Sympathie. Und das gilt auch umgekehrt: „Mir gefällt die Offenheit des Publikums in der Region für Neues.“ In Wien war das wohl anders.

Stefanie Carp hat ihren Berliner Hauptwohnsitz um eine Bleibe in Bochum ergänzt: „Ich will nah dran sein.“ Die Aufgabe im Ruhrgebiet hat sie wohl schon länger gereizt. Für drei Jahre ist die Ruhrtriennale nun ihre Heimat.


Das Grundkonzept des Festivals bleibt


Wir erinnern uns: Die einstige Chefdramaturgin kuratierte unter Gerard Mortier 2002 die Marthaler-Aufführung „Die schöne Müllerin“ im Schalthaus auf Phoenix-West in Dortmund. Jetzt geht es weiter: Marthaler entwickelt für 2018 eine raumgreifende Inszenierung für die Bochumer Jahrhunderthalle: „Er ist in allen drei Jahren unser zentraler Künstler.“

Das Grundformat des Festivals mit Theater, Musik, Schauspiel, Tanz und Performances wird sich nicht ändern. Gesellschaftliche und globale Umbrüche der Gegenwart stehen im Mittelpunkt der Ruhrtriennale. „Dabei geht es nicht um Angst oder Wehmut, sondern um Neugier auf Anderes und die veränderte Erfahrung“. Das Programm soll anspruchsvoll und internationaler werden: „Wir möchten dem Süden eine Stimme geben.“


In Dortmund plant Stefanie Carp etwas Spezielles


Auf die von ihren Vorgängern Johan Simons und Heiner Goebbels verpflichteten Künstler will Carp zunächst verzichten, um Raum für Neues und Unbekanntes zu schaffen. Sie spricht – trotz des stagnierenden Budgets, das 2017 rund 14,5 Millionen Euro pro Saison betrug, – von Spielräumen, die sich aus dem dreijährigen Zyklus der Intendanzen ergeben: „Die Freiheit ist wirklich groß.“

In Dortmund soll in diesem Jahr „etwas Spezielles stattfinden“. In den folgenden Jahren könnte es noch mehr werden, warten doch wiederbelebte Standorte auf Bespielung: das Salzlager der Kokerei Hansa 2020 und ab sofort die Phoenix-Halle in Dortmund-Hörde. Die neue Intendantin zeigt sich für solche Gedankenspiele aufgeschlossen: „Ich habe ja mit der Entdeckungsreise gerade erst richtig begonnen.“

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