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"Doppelpass": Erst im Finale wird Bluff offenbar

Westfälisches Landestheater in Castrop-Rauxel

CASTROP-RAUXEL Was ins Auge sticht, ist ein für die Studiobühne des Westfälischen Landestheaters (WLT) ungewohnt prächtiges Bühnenbild. Blick in eine Besserverdiener-Wohnung, elegant und mit Geschmack eingerichtet. Herein kommen ein Luxusweibchen (Gerrit Pleuger) und ein Kerl (Stefan Leonard), dessen Penner-Kluft verrät, dass das hier nicht seine Welt ist.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 05.04.2010
"Doppelpass": Erst im Finale wird Bluff offenbar

Gerrit Pleuger und Stefan Leonard im WLT-Studio.

Und doch soll dieser Duncan nach Rasur, Haarschnitt und Kleidertausch die Rolle des Hausherrn übernehmen. Ihr Mann sei tot, sagt Phillipa. Doppelgänger Duncan soll ihn ersetzen, bis eine Leibrente von einer Million Pfund zur Auszahlung kommt. Auftakt zum Verwirrspiel „Doppelpass“ von Eric Elice und Roger Rees (Premiere: Samstag).

Ein Krimi mit doppeltem und dreifachem Boden. Kein Wer-hat’s-getan-Plot, sondern ein Psycho-Drama nach dem Muster „Wer foppt wen und warum?“ Der Aufbau ist behutsam orchestriert. Gewissheiten werden sich als falsch entlarven, erst im Finale wird der Bluff offenbar. Zwei Personen und ein Plan. Der Penner wächst in die Rolle des Gentleman hinein, Madame instruiert ihn und zieht die Strippen. Halbehalbe wollen sie machen, wenn die Scharade geglückt ist. Vertrauen gegen Vertrauen, Misstrauen gegen Misstrauen.

Vor allem Gerrit Pleuger darf emotionale Bandbreite zeigen, das macht sie hervorragend. Biestig, schnippisch, kontrolliert, plötzlich aufbrausend, später mit Fracksausen und nah am Wasser gebaut. Maud Herrlein hat ihr exquisit mondäne Kostüme auf den Leib geschneidert. Weil Kleider Leute machen, steht da ein Vamp vor uns, verführerisch, mit der Aura von Geheimnis und Gefahr. Stefan Leonards Duncan erliegt den Reizen der Spinnenfrau, zappelt in ihrem Netz aus Lockung und Lüge. Bryan Ferry singt „The Voodoo, that you do...“ In Splittern schimmern zwei Biografien durch. Das Upper Class-Luder und der Dozent, der in der Gosse landete. Gibt es eine gemeinsame Zukunft? Heuchelt Phillipa Zuneigung? Welches Unheil braut sich zusammen? Hinterhältiger Plot und eine schlanke, konzentrierte Inszenierung (Walter Theil), die aus verbalen Finten viel Spannung destilliert. 

  •  www.westfaelisches-landestheater.de
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