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Duisburgs Goliath heißt David

Groß-Skulptur

DUISBURG 10 Uhr morgens vorm Duisburger Lehmbruck-Museum: Ein älteres Ehepaar bleibt stehen und schüttelt den Kopf, eine Frau mit Kopftuch starrt gebannt, mehrere Schüler kichern und deuten mit dem Finger auf ihn. Auf eine neun Meter hohe Skulptur von David.

von Von Laya Moghaddam

, 16.04.2010
Duisburgs Goliath heißt David

Extrovertiert koloriert: So steht der David von Hans-Peter Feldmann da - in seiner ganzen Nacktheit.

Der Düsseldorfer Künstler Hans-Peter Feldmann hat nach dem Vorbild von Michelangelos David, der in der Galleria dell‘ Accademia in Florenz steht, eine große und vor allem farbige Version erschaffen. Der Körper der biblischen Figur ist in ein fleischiges Rosa getaucht, die Haare leuchten gelb. Genau wie im etwa 500 Jahre alten Original hält David Stein und Schleuder in der Hand, bereit den übermächtigen Goliath zu bekämpfen. Seit gestern steht diese Skulptur dauerhaft in Duisburg. Doch nicht alle Duisburger sind deswegen erfreut. Eine hitzige Diskussion ist entbrannt: Zu bunt, zu kitschig, zu nackt sei die Figur.

„Das ist eine Schande!“, beklagt eine 73-Jährige. Sie störe dabei nicht so sehr die Nacktheit, sondern vielmehr die Farben. „Einfach grässlich“, findet die ehemalige Antiquitätenhändlerin. Auch Mariam Sahadi kann mit der Skulptur wenig anfangen: „Ich finde das irritierend, wenn der wenigstens ein Höschen anhätte...“ Viele Passanten schauen sich an diesem ersten Tag die unübersehbare Figur an. „Das ist doch witzig“, sagt Frieda Berglund (53). Sie habe überhaupt kein Problem damit, „schließlich ist das doch Kunst.“ Feldmann bleibt ob der Aufregung über seinen David ganz gelassen. „Den meisten gefällt es, nur eine Minderheit ist dagegen – damit kann ich leben.“ Schon als Kind habe er gern Sachen angemalt. „Und weil ich den David verschönern wollte, habe ich es wieder getan“, sagt der 69-Jährige.

Auf diese Interpretation springt auch Raimund Stecker, Direktor des Lehmbruck-Museums, an: „Diese Figur galt lange als Schönheitsideal mit Formen, die nicht zu verbessern sind.“ Nun sei diese Schönheit von Feldmann aktualisiert worden. „Es geht hierbei eindeutig um Schönheit, nicht um Provokation.“

  • Der David, der 2006 entstanden ist, steht nun dauerhaft im Duisburger Kant-Park vor dem Lehmbruck-Museum.
  • Die Skulptur ist sechs Meter, der Sockel drei Meter hoch und wiegt insgesamt 1,5 Tonnen. Sie besteht aus Stahl, Styropor und Epoxidharz.
  • Das Original aus Carrara-Marmor hat Michelangelo 1504 in Florenz fertiggestellt, es ist gut vier Meter hoch (mit Sockel 5,48 m) und wiegt knapp sechs Tonnen.