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Ein "Ermöglicher" der Musik

ESSEN Das Klavier-Festival Ruhr findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt, zwölf davon hat Franz Xaver Ohnesorg als künstlerischer Leiter geprägt. An diesem Sonntag feiert der gebürtige Bayer selbst seinen 60. Geburtstag. Klaus Stübler sprach mit dem umtriebigen, energischen und zielstrebigen Klassik-Manager.

06.03.2008
Ein "Ermöglicher" der Musik

Wird bald 60 Jahre alt: Franz Xaver Ohnesorg denkt nicht ans Aufhören.

Sie haben zunächst Flöte und dann Betriebswirtschaft studiert. Dennoch haben Sie Ihre berufliche Karriere - bei den Münchner Philharmonikern - nicht als Musiker, sondern als Manager begonnen. Wie kam es dazu?

Ohnesorg: Ich habe gemerkt, dass ich das, was meine Idole wie z.B. André Nicolet oder Paul Meisen gemacht haben, nicht schaffen würde. Zum andern habe ich festgestellt, dass ich bestimmte Dinge kann, wo Andere mehr Schwierigkeiten haben, nämlich in der Schaffung von Bedingungen, dass Musiker besonders gut sind. Und das hat mich dann zu diesem Beruf gebracht, der letztlich sich mit dem Begriff "Intendant" umschreiben lässt. Und ein Intendant ist ja ein "Ermöglicher", ist jemand, der ans Ganze denkt, vor allem auch ans Publikum, der aber auch immer dafür da ist, dass er den Künstlern optimale Entfaltungsmöglichkeiten schafft. Und der auch das Geld gerne beschafft.

Welche positiven Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer 16-jährigen Intendanz der Kölner Philharmonie?

Ohnesorg: Dass wir eines der letzten Konzerte von Carlos Kleiber gehabt haben, die unter normalen Bedingungen zustande kamen (der legendäre Dirigent war bekannt dafür, dass die Veranstalter ihn mühsam überreden mussten, d.Red.). Dass wir Miles Davis mehrfach hatten. Dass wir eines der letzten Konzerte von Ella Fitzgerald hatten. Dass die großen amerikanischen Orchester regelmäßig aus- und eingegangen sind - und, dass es gelungen ist, in Köln einen jährlichen Zyklus der Wiener Philharmoniker zu etablieren. Das nur als Beispiele. Und auch viele andere Dinge: Familienkonzerte mit Peter Ustinov. Oder eben auch mit Friedrich Gulda, z.B. große Klavierabende mit Joe Zawinul - Künstlern, die leider schon nicht mehr am Leben sind.

 Sie sind seit 1996 künstlerischer Leiter beim Klavier-Festival Ruhr. Inzwischen haben eigentlich alle großen Pianisten der Gegenwart bei Ihrem Klavier-Festival gespielt ....

Ohnesorg: ... Ja, es ist sehr viel schwieriger, Pianisten zu nennen, die noch nicht hier waren, als umgekehrt...

... und die Publikumsresonanz ist immens. Wo sehen Sie da überhaupt noch Entwicklungsmöglichkeiten?

Ohnesorg: Na gut, wir müssen schauen, dass wir auf den verschiedenen Feldern so gut bleiben wie wir's gottseidank geworden sind, da ist jedes Jahr neu ein Werben und ein strategisches Denken erforderlich, wie wir ein interessantes Programm bauen. Wir wollen ja nicht nur die großen Namen haben, sondern wir wollen insbesondere auch jungen Künstlern eine Chance geben. Das können wir natürlich auch deshalb sehr viel besser jetzt machen als noch in den Jahren vorher, weil wir z.B. unsere "Edition Klavier-Festival Ruhr" haben, also unsere CDs. Wir haben letztes Jahr erstmals DVD-Aufnahmen machen können. Hinzu kam, dass drei Fernsehporträts erschienen sind von jungen Pianisten. - Also, auf diesem Sektor wollen wir natürlich weiter gut sein und das ausbauen. Und nicht zuletzt natürlich auch den Erfolgsweg weiter gehen, den wir mit unserem "Education"-Programm für Kinder beschreiten.

Gibt es für Sie ansonsten berufliche Herausforderungen für die Zukunft?

Ohnesorg: Ich kann hier so viele meiner bisherigen Erfahrungen und - wenn Sie so wollen - meines Netzwerks einbringen wie selten zuvor in meinem Leben. Und deshalb bin ich hier beim Initiativkreis Ruhrgebiet, wo es ja auch noch den großen Vorteil hat, dass wir wirklich privates Geld nur beziehen. Ich finde, dass das ein Modellfall ist. Und an diesem Modellfall weiter zu arbeiten, das macht großen Spaß.

Wie lange sind Sie noch beim Klavier-Festival?

Ohnesorg: Mein Vertrag geht bis zum Jahr 2010. Und dann gibt's natürlich heute schon die Absicht, das fortzusetzen.