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Ein Sommernachtstraum als Spektakel in Hagen

Neubearbeitung

HAGEN Regisseur Thilo Borowczak und Kapellmeister Bernhard Steiner vom Theater Hagen wählten mit Henry Purcells „The Fairy Queen“, einer Bearbeitung des Shakespeareschen Sommernachtstraums, eine „Halb-Oper“ aus. Ohne falschen Respekt vor dem Original schufen sie ein Spektakel.

von Von Karsten Mark

, 11.04.2010
Ein Sommernachtstraum als Spektakel in Hagen

Titania (Stefania Dovhan) mit Zettel (Roland Silbernagl) in der Hagener Inszenierung.

Diese eigene Fassung, die Borowczak und Steiner Spektakel tauften, dauert zweieinhalb Stunden. Die Inszenierung braucht ihre Zeit, um auf Touren zu kommen. Es gibt anfangs noch viele Chorszenen, die optisch etwas sperrig wirken, wenn auch die Sänger keineswegs enttäuschen, so hat doch das Orchester seine Anlaufschwierigkeiten. Nichtsdestoweniger ist die Grundhaltung von vornherein erfrischend: Purcells Musik ist nichts Heiliges und die Regie versucht nicht verkrampft zu historisieren. Ob es der Videoinstallationen von Volker Köster bedurfte, um die Brücke zur Moderne zu schlagen, lässt sich diskutieren.

Zweifellos aber fügen sich die elektronischen Einsprengsel ebenso wie die phantasievollen Kostüme von Martina Feldmann gut in die prächtige und einfallsreiche Kulisse von Jan Bammes ein. Letztlich ist es nur konsequent, wenn Borowczak alle Register zieht, die das Haus zu bieten hat: Eine Riege von Solisten, die durchweg gute Gesangsqualität bietet. Der (Gast-)Countertenor Filippo Mineccia ist der einzige Barockspezialist neben den Ensemblemitgliedern Rolf Scheider, Stefania Dovhan, Marilyn Bennett, Orlando Mason und Tanja Schun.

Ein kleines Ballettensemble, das weit mehr als schmückendes Beiwerk ist (Choreografie: Ricardo Fernando), und eine kleine Schar von Gast-Schauspielern (u.a. Roland Silbernagl und Firat Ar als Pyramus und Thisbe), die als vom Pech verfolgte Laienspieltruppe jede Menge Lacher einfährt, gehören dazu. Spätestens nach dem ersten Drittel hat das Spektakel ordentlich Fahrt aufgenommen und sich das Orchester endgültig warm gespielt. Spätestens dann lässt sich dem Regisseur und Dirigenten attestieren, dass ihr Experiment gelungen ist. Sie haben das barocke Genre restlos entstaubt und bieten ein beeindruckend vielseitiges Musiktheater, das einfach nur Spaß macht.  

  • Termine: 14., 29.4.; Karten: Tel. (02331) 2 07 32 18.