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Ein Stück Polen im Revier

OBERHAUSEN Das "Gdanska" in Oberhausen ist etwas Besonderes: eine Kneipe voller Atmosphäre und der Treffpunkt polnischer Emigranten im Ruhrgebiet. Vor siebeneinhalb Jahren haben Maria und Czeslaw Golebiewski aus Danzig das Restaurant eröffnet, veranstalten Jazzabende und Gitarrenkonzerte. Mit ihrem neuen "Theater G" haben sie sich einen Traum erfüllt.

von Von Klaus Stübler

, 11.12.2007

 Eigentlich stehen die Schauspieler Torsten Bauer und Jan Kämmerer auf der Bühne des städtischen Theaters in Oberhausen. Im letzten halben Jahr haben die Beiden ihre Freizeit jedoch in eine freie Produktion gesteckt, die am Sonntagabend Premiere hatte: "Emigranten" von Slawomir Mrozek. Geprobt wurde - voller Engagement und Idealismus - meist in den Nachtstunden auf dem Dachboden im Hinterhaus des "Gdanska" am Oberhausener Altmarkt.

"Was in uns Einwanderern steckt"

Dem Wirt Czeslaw Golebiewski geht es nicht darum, eine weitere freie Bühne zu etablieren, sondern zu zeigen, "was in uns Einwanderern steckt". Sein "Theater G" bietet einen mit Bühne und rund 80 Sitzplätzen hergerichteten Saal.

Disput zwischen dem Arbeiter und dem Intellektuellen

Erst sollte ein neues Stück her, doch dann brachte Regisseur Michal Nocon die "klassische Geschichte" von Mrozek ins Spiel: "Emigranten", vom polnischen Autor selbst 1974 im französischen Exil geschrieben. Ein rund zweistündiger Disput zwischen einem griesgrämigen wie aufbrausenden Arbeiter (Torsten Bauer) und einem kühlen Intellektuellen (Jan Kämmerer) im gemeinsamen Kellerquartier in der Fremde. Laut Golebiewski auch eine Auseinandersetzung über die Vergangenheit vieler Polen hier im Ruhrgebiet und eine Art Standortbestimmung: "Wir wollen laut sagen: woher kommen wir? Wo sind wir heute?"

Regisseur aus Krakau

Für den aus Krakau stammenden Nocon genauso wichtig ist der Zuschauer: das Theater als ein Ort, Kulturen aufeinander prallen zu lassen, müsse mit seiner Direktheit "den Menschen fassen". Polen ist für ihn bei Mrozek nur ein Beispiel: "Es geht um Menschen, nicht um Nationalitäten". So könne man auch "die Idee von Europa" zeigen.Das Zusammentreffen des polnischen Produktionsteams und der deutschen Schauspieler erlebten alle Beteiligten als spannend.

Regelmäßig zu sehen

Und das Ergebnis? Ein anregender Theaterabend über Heimat, Fremde, Identität und Entwurzelung, Unfreiheit und Freiheit. Nicht nur der Vertreter des polnischen Generalkonsulats und der griechischstämmige Kulturdezernent Oberhausens zeigten sich begeistert. Im "Theater G" soll "Emigranten" regelmäßig zu sehen sein. Als mobile Produktion angelegt, kann aber auf Einladung auch woanders gespielt werden. Erste Kontakte wurden schon zum Institut für Slawistik an der Ruhr-Uni in Bochum geknüpft.

"Theater G", Oberhausen, Altmarkt 3, Karten-Tel. 0208/ 620 13 75, info@gdanska.de

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