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Ein Tanz voller Tücken und Grausamkeit

ESEN Kurt Jooss' epochales Antikriegsballett "Der Grüne Tisch" von 1932 bildet den Höhepunkt des ersten Essener Ballettabends dieser Spielzeit. Jooss zeigt den Tod in Ritterrüstung, der alle "holt". Nur die Herren in schwarzen Anzügen, die am Grünen Tisch über Krieg und Frieden debattieren, bleiben am Leben.

von Von Marieluise Jeitschko

, 06.12.2007
Ein Tanz voller Tücken und Grausamkeit

Keine gute Beziehung: Yoo-Jin Jang und Denis Untila im Tanzstück "Home and Home".

Marat Ourtaev ist trotz trotzigen Stiefel-Stampfens ein eher sanfter Tod. Zu weich sind seine Bewegungen, zu wenig zupackend sein Griff. Zackig paradieren die Soldaten, schauerlich schön wirkt Tomás Ottych als "Fahnenträger", rührend Ludmila Nikitenko als "das junge Mädchen". Die Einstudierung besorgte, wie üblich, Joos-Tochter Anna Markard, assistiert von Jeanette Vondersaar.

Uraufführung von Susanne Linke

Dem düsteren Totentanz geht eine Uraufführung voraus. Susanne Linke schuf als Auftragswerk für Tanzstar Raul Raimondo Rebeck ein Solo auf Gustav Mahlers Adagietto aus der 5. Sinfonie. "Kaikou" (Seelenwanderung) hat sie ihre viertelstündige asiatisch-geprägte Choreografie genannt. Zu sehen ist allerdings eher die Mutation vom Tier zum Menschen - und zurück. Scheint das Leben als Wildkatze besser als das menschliche Dasein? Zwar mimt Rebeck das wilde Tier überaus authentisch. Eindrücklicher wirkt aber sein Tanz mit dem Bambusstab.

Brutale Szenen einer Ehe

Das bizarre zeitgenössische Stück "Home and Home" von Johan Inger, Direktor von Stockholms "Cullberg-Balleten", ist voller Tücken und Grausamkeiten. Träumt die junge Frau (Yoo-Jin Jang) von einem anheimelnden Alltag mit Blumentopf, sieht man sie bald in den Fängen eines brutalen Ehemannes (Tomás Ottych) - ein Crescendo der Grausamkeit.

    "Abschied und Tod" soll - laut Ballettdirektor Martin Puttke - die Klammer sein, die die drei düsteren Stücke zusammenhält. Die "Entwicklung des modernen Tanzes in drei Handschriften" will er vorstellen. Doch so pauschal lässt sich der Bühnentanz kaum definieren. Dennoch: Essens "aalto-ballettheater" ist eine Truppe, die dank ihrer technischen Vielseitigkeit ganz vorn mittanzt im deutschen Theater.

 Termine: 9./14./ 15./19.12. Karten unter Tel. (0201) 8122-200.